Die Konfusion ist komplett: Geschäftsleute und Touristen, die im Sommer nach USA fliegen wollen, können zwar jetzt schon ein Flugticket kaufen, aber den genauen Preis erfahren sie nicht. Wie teuer die Passage schließlich ist, erfahren sie möglicherweise erst, wenn sich die Atlantik-Passagiere am Abfertigungsschalter auf dem Flughafen melden.

Der Grund für diese unerfreuliche Situation: Die amerikanische Luftaufsichtsbehörde (Civil Aeronautic Board – (AB) hat vier europäischen Fluggesellschaften die Genehmigung der eingereichten Tarife versagt. Die Absage trifft die Gesellschaften diesmal besonders hart, denn auf der letzten IATA-Tarifkonferenz hatten sich die rund zwanzig am Atlantikverkehr beteiligten Fluggesellr schaften darauf geeinigt, uneinig zu sein.

Uneinig waren sie über die Tarifgestaltung, die ab 1. April gültig sein sollte. Die Liniengesellschaften mußten deshalb einzeln Tarife ausarbeiten und der amerikanischen Regierung zur Genehmigung vorlegen.

Letzte Woche erhielten die British Overseas Airways Corporation (BOAC), die italienische Alitalia die Onassiseigene Olympic Airways und auch die Lufthansa Absagen aus Washington.

Das englische Wirtschaftsmagazin „The Economist“ mutmaßt, daß die amerikanische Aufsichtsbehörde nach unterschiedlichen Kriterien entschieden hat. Die englische BOAC hatte von den vier abgelehnten Vorschlägen den billigsten vorgelegt. Die BOAC-Tirife lagen auf vergleichbarer Höhe wie die Flugraten der amerikanischen und englischen Chartergesellschaften. Doch so der Economist, die Amerikaner verteidigen zur Zeit die Chartergesellschaften, weil sie nach dem Waffenstillstand in Vietnam mit stärken Auftragsrückgängen durch die Regierung rechnen müssen. Um ihnen einen neuen Preiskrieg mit den Liniengesellschaften zu ersparen, will das CAB die Liniengesellschaften zu höheren Preisen zwingen.

Eine ungefähre Vorstellung darüber, was „vernünftig kalkulierte“ Preise sind, geben die Preise der beiden großen amerikanischen Liniengesellschaften Pan American World Airways (Pan Am) und Trans World Airlines (TWA). Sie liegen über denen der Europäer und wurden von den Amerikanern genehmigt. Freilich, noch besteht eine Chance, daß sich die Europäer durchsetzen: Bevor PanAm und TWA zu ihren Tarifen ab Deutschland fliegen dürfen, müssen diese von der Bundesregierung genehmigt werden.

Die starre Haltung der Amerikaner kann aber auch bewirken, daß sich die europäischen Fluggesellschaften auf ein gemeinschaftliches Vorgehen einigen. In Paris wollen sie auf einer Konferenz die verfahrene Situation diskutieren. kde