Von Rudolf Biebl

Rudolf Biebl (37) ist selbständiger EDV-Personalberater und 1. Vorsitzender der „Interessenvereinigung der EDV-Benutzer“.

Alle reden von Teamwork. Auf einer Baustelle arbeiten nicht mehr Maurer, Bauschreiner und Dachdecker zusammen, sondern ein Team von Baufachkräften. Um einen Schwerverletzten kümmert sich ein Ärzteteam – und wenn er prominent genug ist, vielleicht sogar ein Fernsehteam. Daß auch früher schon entsprechende Gemeinschaftsaufgaben bestanden und auch von zuständigen Gruppen gelöst wurden, das wird leicht vergessen. Der Team-Begriff gilt eben als modern.

In der Tat ist Teamarbeit heute auch notwendiger denn je. Eine komplizierte Arbeitswelt gibt dem Individuum immer weniger Chancen, sich allein zu profilieren. Dies gilt in ganz besonderem Maße für Teams in der Elektronischen Datenverarbeitung (EDV). Und mancher, der als Berufsanfänger oder Jobwechsler von der großen Karriere im EDV-Wesen träumt, macht sich Illusionen oder gar ein völlig falsches Bild.

Die Auswahlkriterien für EDV-Berufe sind zwar noch weitgehend umstritten. Doch kann man davon ausgehen, daß ein EDV-Experte ganz bestimmte Talente für seinen Beruf braucht. So vor allem abstraktes und analytisches Denken sowie ausgeprägtes Differenzierungsvermögen. Er muß frei von Vorurteilen sein und selbst die scheinbar bewährtesten und historisch gewachsenen Zusammenhänge oder Erkenntnisse anzweifeln können.

All das ist sehr der Mathematik verwandt – wenngleich eigentlich Mathematikkenntnisse weniger erforderlich sind. Man könnte also sagen: Ein Aufstiegsaspirant in der EDV benötigt „Mathematikalität“ – ein Talent vergleichbar mit Musikalität. Gemeint ist damit also nicht das fachliche Wissen, sondern die grundsätzliche Veranlagung. So kann man „Mathematikalität“ besitzen, ohne viel von Mathematik zu verstehen – so wie man auch musikalisch sein kann, ohne ein Instrument zu beherrschen.

Gerade diese nüchterne „Mathematikalität“ führt zusammen mit präzise formulierten Aufgaben und klar abgegrenzten Arbeitsgebieten zu einer stark versachlichten Atmosphäre im EDV-Team. Dank vieler Gemeinsamkeiten, unter den verschiedenen EDV-Berufen entfallen weitgehend die Spannungen, die sich aus dem üblichen „Kampf um den Aufstieg“ ergeben. Und an die Stelle des hierarchisch eingesetzten Teamführers tritt in der EDV eine andere Führerpersönlichkeit.