Rudolf Herlt sprach mit Bundesfinanzminister Helmut Schmidt

ZEIT: Sind wir nicht schon seit längerer Zeit an einem Punkt angelangt, an dem die Währungspolitik in Außenpolitik umgeschlagen ist?

Schmidt: Sowohl die vorige Dollar-Krise von Anfang Februar als auch die jetzige Dollar-Krise sind von der Bundesregierung nicht nur als währungspolitische Aufgabenstellung empfunden worden, sondern darüber hinaus ganz wesentlich als außenpolitische Problemstellung.

Es kam darauf an, wenn irgend möglich, im Verhältnis zu unseren EWG-Partnern einen deutschen Alleingang zu vermeiden. Er hätte das Vertrauen in die Ernsthaftigkeit der Absichten erheblich mindern können, die auf der letzten EWG-Gipfelkonferenz in Paris unter Präsident Pompidous Vorsitz gemeinsam verabredet worden waren. Andererseits geboten unsere außenpolitischen Notwendigkeiten, wenn irgend möglich, nicht gegen die Interessen der Vereinigten Staaten zu handeln. Die Bundesregierung hat diese beiden Motivationen nach der jüngsten Dollar-Abwertung in einer Regierungserklärung dem Deutschen Bundestag vorgetragen.

Mir scheint, daß die öffentliche Kommentierung der allerjüngsten Dollar-Krise teilweise außer acht läßt, daß die Bundesregierung nach wie vor diese beiden Motivationen für überragend wichtig hält. Wir stehen deshalb auch diesmal in engstem Kontakt nicht nur mit den EWG-Partnern, sondern ebenso mit der Regierung der USA.