Von Marianne Kesting

Gustave Flauberts Werk brach deutlich in zwei Kategorien auseinander, die künftig die Literatur bestimmen sollten: in die Auseinandersetzung mit der Gegenwart („Education sentimentale“, „Madame Bovary“) und eine dichterische Mythisierung der Historie, die zugleich ein Moment der Utopie einschloß („Salammbo“, „Die Versuchung des heiligen Antonius“). Hier wie dort fand jedoch zugleich auch die kritische und die mythische Auseinandersetzung mit der eigenen Figur statt. Bekanntlich sagte Flaubert „Madame Bovary – c’est moi“ und ironisierte in ihr die eigenen romantischen Wünsche und Vorstellungen; der Visionär Antonius ist eine deutliche Exemplifikation des Dichters und Asketen Flaubert, ebenso wie Salammbo seine andere Ausformung im üppigen artistischen Dekor darstellt. Sagte doch Flaubert auch von sich, daß er sich „wie eine Bajadere in den eigenen Parfümen bade und allein mit seinen Träumen“ sei.

In der Nachfolge der „Salammbo“ entwarf Alfred Jarry seine „Messalina“ und träumte sich in die schrankenlose orgienhafte Surrealfreiheit der Spätantike. In direkter Nachfolge dieses Romans wiederum schrieb der Verehrer Alfred Jarrys, Antonin Artaud, der sogar sein revolutionäres Theater „Théâtre Alfred Jarry“ nannte

An tonin Artaud: „Heliogabal oder Der Anarchist auf dem Thron“, aus dem Franzzösischen von Brigitte Weidmann, Nachwort von Frieda Grafe; Verlag Rogner & Bernhard, München; 203 S., 18,– DM.