Aus dem Leben der Nürnberger Rock-Band „Impro\ed Sound Limited

Von Reiner Weiß

Also du willst ein Rock-’n’-Star sein“, sangen die amerikanischen „Byrds“ 1967, „dann hör mal zu jetzt: schnapp dir eine Elektrogitarre und lern zu spielen; und wenn deine Frisur stimmt und deine Hose stramm sitzt, dann wird’s schon klappen – verkauf deine Seele an die Firma, die warten schon darauf, Plastikware zu verkaufen.“ Die „Byrds“ haben das damals ironisch gemeint, aber die Schallplattenfirmen haben eine Legende daraus gemacht.

Jazz- und Pop-Musiker können keine Noten lesen, befiehlt die Legende zum Beispiel, und selbst Dave Brubeck läßt das von sich verbreiten. Stars müssen Menschen sein wie du und ich, und wir beide und viele andere können eben nicht Noten lesen, aber wir könnten doch auch Stars sein, oder? Es ist die Variation eines alten Volksmärchens, das heißt: vom Tellerwäscher zum Millionär. Axel Linstädt wußte das noch nicht, als er Noten lernte und zur Klavierstunde bei. Fräulein Moggenhaupt ins Institut der „Englischen Fräulein“ ging.

Axel ist der Komponist der Nürnberger Band „Improved Sound Limited“, er spielt die Gitarren und die Keyboards. Damals kam manchmal die Mater Benedicta in die Klavierstunde und hörte zu. Axel war „hochmusikalisch“, so viel war allen klar, später auf dem Gymnasium nannte ihn der Musiklehrer „Maestro“ und ließ ihn auf seinem Cembalo spielen, das durfte sonst niemand. Und der Großvater kaufte Axel seine erste Gitarre.

Das war die Zeit, als es statt der APO Chuck Berry, Elvis und die Everly Brothers gab. Axel spielte im Städtischen Konservatorium das „Wohltemperierte Klavier“, bei der Morgenandacht in der Schule evangelische Choräle von Paul Gerhardt und abends mit seinen Klassenkameraden Rolf, Uli und Johnny in der Gaststätte „Viehhof“ Lonnie Donegans Hit „Does your chewingum loose its flavour on the bedpost over night?“. Sie nannten sich „Die Blizzards“ und verdienten 30 Mark pro Abend.

Wenn die Polizei anläßlich einer Schlägerei in den „Viehhof“ gerufen wurde, versteckten sich die 13jährigen hinter ihrem Bassisten, der sah. schon aus wie 18. Sie spielten auch auf Ausflugsdampfern und Prominentenhochzeiten, und in den großen Ferien nahmen sie Monatsjobs an, in rauchigen Schuppen zwischen Bochum und Sonthofen. Johnny Fickert, der eigentlich Lothar heißt, ist der Sänger der Band. Er sagt: „Das war vielleicht unsere schönste Zeit, damals.“