Herr H. aus Hessen hatte, was man ihm auch ohne weiteres ansehen konnte, einen gesegneten Appetit. Er hatte zwar – auf Kosten der Sozialversicherung – schon zwei Abmagerungskuren hinter sich gebracht. Doch es war ihm kein rechter Erfolg beschieden: Unter die Zwei-Zentner-Grenze kam er nie. Bei Herrn H. stellte sich überdies das ein, was Gesundheitsmagazine unentwegt allen Dicken prophezeien: Kreislaufstörungen und zu hoher Blutdruck. Die bittere Folge: Herr H. konnte die beruflichen Anforderungen nicht mehr erfüllen; er war, wie die Sozialmediziner sagen, in seiner Erwerbsfähigkeit gemindert.

Eines Tages beschloß Herr H., einen letzten Versuch zu unternehmen. Er wollte in ein Sanatorium gehen, um dort seine Pfunde loszuwerden. Weil ihm das nötige Kleingeld fehlte, verlangte er von der hessischen Landesversicherungsanstalt, sie solle die Kosten übernehmen. Die aber wollte davon nichts wissen. Unwirsch schrieb man ihm zurück, die vorhandenen Sanatorien würden nicht ausreichen, wenn alle übergewichtigen deutschen Arbeiter eine bezahlte Entfettungskur machen wollten.

Der schwergewichtige Herr aus Hessen machte sich nun auf den Klageweg. Doch auch dabei hatte er kein Glück. Das Bundessozialgericht beschied ihn kurzerhand: Wie man schon aus den beiden früheren – letztlich erfolglosen – Abmagerungskuren ersehen könne, fruchteten derartige Abspeckungsaktionen bei ihm wenig. Man dürfe es der Landes Versicherungsanstalt also nicht übelnehmen, wenn sie keinen dritten Sanatoriumsaufenthalt zahlen wolle.

Die hohen Richter in Kassel entließen den Kläger aber nicht ganz ohne Trost und Rat: Vielleicht, so meinten sie, sei auch mit einer privaten Fastenkur noch etwas zu erreichen. (Az.: 12 RJ 408/71)