Von Klaus-Peter Schmid

Minister gefallen sich gelegentlich in der Rolle des Propheten. So sprach im Oktober 1969 Frankreichs oberster Wächter über Währung und Finanzen, Valéry Giscard d’Estaing: "Das Schicksal des Finanzministers ist es, mit dem Franc zu leiden. Aber eines Tages wird er sich auch mit ihm freuen können."

Giscards Wehklagen kam nicht von ungefähr: Gerade zwei Monate vor seinem weisen Spruch hatte er den Franc abwerten müssen. Doch die Wanderung durch das monetäre Jammertal ist vorüber. Die Tage der Freude über den Franc sind längst angebrochen – nur Feiern will man in Frankreich nicht.

Niemand kommt heute mehr auf die Idee, den Franc für abwertungsverdächtig zu halten. Im Gegenteil: Die europäischen Währungspolitiker machen ihrem Pariser Kollegen den Hof, um ihn für einen Schritt in Richtung Aufwertung zu gewinnen. Finanzminister Helmut Schmidt entfloh sogar dem Krankenhaus, um Giscard d’Estaing auf eine gemeinsame Abwehr des Dollarangriffs einzuschwören. Die vor allem von Bonn angepriesene gemeinsame Waffe: ein Floaten der europäischen Währungen gegenüber dem Dollar.

Schmidt könnte dabei seinen Kollegen Giscard sogar beim eigenen Wort nehmen. Denn gerade vor einem Jahr versicherte er vor amerikanischen Unternehmern: "Das Zeitalter der massiven Dollarkäufe durch die Zentralbanken ist vorbei."

Doch Paris ziert sich, die Konsequenzen aus dieser Erkenntnis zu ziehen. Der Franc ist gesund – warum sollte man an ihm herumkurieren? Die Devisenkontrollen funktionieren – warum sollte man sie abschaffen? Und wenn man das internationale Währungssystem mit Hilfe des Floating elastischer machen könnte? "Eh bien", befand Giscard vergangene Woche, "wenn es elastischer wird, bietet es künftig niemand mehr Sicherheit."

Frankreich wartet auf die große Reform. Und über die Taktik in der Zwischenzeit erklärte Giscard bereits im Herbst 1971 unmißverständlich: "In der Erwartung einer Reform müssen wir unsere Interessen wahren." Das bedeutet damals wie heute ein ziemlich kategorisches Non zu jeder Art flexibler Kurse.