In einem Interview sagte Bundesminister Egon Bahr über das Verhältnis zur DDR:

„Nachdem es 20 Jahre lang eine Situation der Feindseligkeit und der Verhärtung gegeben hat, ist es nicht vorstellbar, daß von heute auf morgen die Dinge zwischen den beiden Staaten reibungslos laufen und funktionieren. Es ist natürlich, daß erst mit Mühsal und Ärger die Sache in Gang kommt.

Das heißt, ich rechne mit einer Übergangsphase von wirklichen Schwierigkeiten, und ich rechne danach mit einer Phase, in der es normalere Schwierigkeiten gibt. Aber richtig normal im Sinne der Regungslosigkeit wie zwischen Österreich und der Bundesrepublik, fürchte ich, wird es so lange nicht werden, als es sich bei der DDR eben um die DDR handelt. Sie gehört einem anderen System an.

Dies muß man wissen. Man muß auf der anderen Seite wissen, daß der Ärger, den wir jetzt haben, einen Fortschritt darstellt. Denn früher hatten wir eine Situation, in der wir uns nicht darüber zu ärgern brauchten, daß zuwenig Leute herübergelassen wurden. Da wurden gar keine herübergelassen ...

Ich habe gesehen, daß die Entwicklung der bisherigen zwanzig Jahre zu einer immer tieferen Trennung führte und sich dadurch die Substanz der Nation immer stärker verringert hat. Ob die Möglichkeit zusätzlicher, neuer Begegnungen zwischen den beiden Teilen dieses Volkes zu einem anderen Ergebnis führt, kann man hoffen. Ich halte dies für eine Chance, nicht für eine sichere Sache. Aber es ist wenigstens eine Chance. Vorher habe ich nicht einmal mehr die Chance gesehen ...“