Die vom Extremisten-Beschluß Betroffenen-Eine Dokumentation/Von Hayo Matthiesen

1. Angehörige der politischen Linken

FREIE UND HANSESTADT HAMBURG:

Ilse Jacob: Gesamtschullehrerin; sollte aus dem Beamtenverhältnis auf Probe entlassen werden. Aus dem Dossier des Verfassungsschutzes: „7. – 9. 4. 1961 J. nimmt als Delegierte am Bundeskongreß der VVN (Vereinigung Verfolgter des Naziregimes) in Stuttgart teil; 1962 J. nimmt an den Jugendfestspielen in Helsinki teil; Sommersemester 1963 J. ist die erste Vorsitzende der SDS-Gruppe an der Universität Hamburg. SDS-Mitglied bis 1968. 22. 10. – 16. 11. 1963 J. nimmt an einer KP-Delegatiorisreise in die UdSSR teil... 1971 Mitglied der DKP und des Vorstandes der DKP-Betriebsgruppe Lehrer.“ Ilse Jacob ist die Tochter des Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten Franz Jacob, der 1944 als KPD-Mitglied hingerichtet wurde; ihre Mutter, ebenfalls Lehrerin, wurde 1945 aus dem KZ Ravensbrück befreit. – Mit Ilse Jacob solidarisierten sich Eltern, Kollegen, Schüler, Teile der SPD, DKP und der Gewerkschaften. Der Senat ernannte sie nach fast einem Jahr zur Studienrätin und damit zur Beamtin auf Lebenszeit.

Jörg Haslbeck: Sozialpädagoge; bewarb sich als Praktikant bei der Schulbehörde und war bereits für eine Gesamtschule vorgesehen; einen Tag vor Beginn des Berufspraktikums wurde er abgewiesen: Haslbeck ist DKP-Mitglied. Auf Grund zahlreicher Proteste wurde er dann doch zugelassen mit dem Hinweis, er werde nach dem Abschluß nicht in den öffentlichen Dienst übernommen.

Sabine Auffermann, Ewald Leppin, Uli Wieble: Drei Lehrerstudenten, die nach ihrem ersten Staatsexamen nicht (als Referendare) in das Beamtenverhältnis auf Widerruf, sondern nur als Angestellte in den Vorbereitungsdienst übernommen wurden. Hinweis: „Ein Anspruch auf spätere Übernahme in den hamburgischen Schuldienst besteht nicht.“ Offizielle Begründung: „Es steht, nicht fest, daß Sie die Gewähr des jederzeitigen Eintretens für die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes bieten.“ Konkrete Gründe wurden nicht angegeben.

Heike Göhl: Grundschullehrerin; sollte als Beamtin auf Probe entlassen werden. Begründung der Landesregierung: „Aus Ihrer aktiven Betätigung für die kommunistischen Organisationen SDAJ (Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend) und DKP muß ... entnommen werden, daß Sie nicht nur nicht bereit sind, jederzeit für die freiheitliche und demokratische Grundordnung einzutreten, sondern daß Sie diese Ordnung bekämpfen.“ Dagegen die Eltern der Klasse 4 b: „Frau Göhl hat immer versucht, die Kinder zum selbständigen Nachdenken und Arbeiten und zum kritischen Beobachten zu erziehen. Von einer Erziehung in eine bestimmte politische Richtung haben wir in all den Jahren nie etwas feststellen können.“ Gegen die Entlassung wurde Widerspruch eingelegt; bis zur Entscheidung wird das Dienstverhältnis beibehalten.