Zu keiner Zeit nach dem Kriege ist die deutsche Börse in so rascher Folge von „Schicksalschlägen“heimgesucht worden wie in den letzten sieben Wochen. Doch weder die Dollarabwertung noch die Ankündigung höherer Steuern oder das Kaufverbot für Ausländer sowie die neue Währungskrise haben die Kurse nennenswert erschüttern können. Früher hätte ein einziges Ereignis dieser Art ausgereicht, um die Kurse in eine Baisse-Bewegung zu bringen.

Warum sind sie jetzt so unempfindlich? Das liegt im wesentlichen an der mangelnden Verkaufsbereitschaft der In- und Ausländer. Der inländische Sparer scheint immer mehr in der Aktie ein inflationsschützendes Sparinstrument zu sehen („Wenn alles teurer wird, können Aktien nicht billig bleiben...“), während die Ausländer begreiflicherweise keinerlei Verlangen zeigen, aus Mark-Anlagen herauszugehen.

Unter diesen Umständen fällt das weitgehende Ausscheiden der Banken aus dem Aktienhandel nicht auf. Durch die neue Mindestreservenerhöhung hat sich ihr Bewegungsspielraum weiter verringert. Das spekulationslustige Publikum ist gegenwärtig aber stark genug, um das wenige herauskommende Material aufzunehmen.

Die von zahlreichen Kaufaspiranten erhofften „billigen Preise“ hat es bisher nicht gegeben. Nicht einmal bei den VW-Aktien, die sich allerdings schon um rund 20 Prozent unter ihren bisherigen Jahreshöchstkursen bewegen. Die Aufmerksamkeit des Berufshandels gilt weiterhin den sogenannten Fusionspapieren. K. W.