James Martin/Adrian R. D. Norman: Halbgott Computer. Die phantastische Realität der 70er Jahre. BLV Verlagsgesellschaft mbH, München, 476 Seiten, Leinen, 32,– DM.

Die Literatur über Computer ist unübersehbar geworden. Das Buch der beiden angelsächsischen Autoren ragt ohne Zweifel daraus hervor. Es zeichnet sich durch die umfassende kritische Darstellung der Möglichkeiten und Probleme der Datenverarbeitung ebenso wie die dynamische und griffige Aufbereitung der Fülle des Stoffes aus. Visionäre Situationsschilderungen beleben die packende Materialsammlung aus all den Lebensgebieten, auf denen die Computer ihren Siegeszug angetreten haben.

Doch die eigentliche Stärke des Buches liegt dort, wo die Gefahren für das Humane, für die Privatsphäre des Menschen aufgezeigt werden, die beinahe zwangsläufig mit der „Computerized Society“ (amerikanischer Originaltiel) verbunden sind. Da werden alle Register der Kritik gezogen und Warnzeichen aufgerichtet („Die übereifrigen und fanatischen Bürokraten unter der Beamtenschaft stellen in der Computer-Gesellschaft der Zukunft die größte Gefahr dar“).

Martin und Norman bleiben aber natürlich nicht bei der Negation stehen, sondern sie wollen durch positive Vorschläge die unheilvollen Konsequenzen des Roboterzeitalters abwenden. Einfach wird dies nicht sein. Aber es ist unerläßlich, daß Sicherungen eingebaut werden. Denn die Computer-Technologie „liegt heute auf der Lauer zu einem neuen großen Sprung nach vorn“, sie „steht erst am Anfang eines sehr langen Marsches“.

Das Buch ist nicht gerade für Anfänger bestimmt, es setzt bereits einiges an Elementarwissen über die elektronische Datenverarbeitung voraus. Aber es ist ausgesprochen lesbar geschrieben. Auch die deutsche Übersetzung gefällt (abgesehen von dem reißerischen Titel), obwohl im Text unnötigerweise einige, englische Fachausdrücke eliminiert wurden, die auch bei uns bereits üblich sind. Ein Handikap des Buches: Es beschreibt fast ausschließlich amerikanische und englische Verhältnisse, so daß dem deutschen Leser der Bezug zu seiner Umwelt fehlt. Es zeigt sich wieder einmal: Mit der einfachen Übersetzung solch eines praxisnahen Standardwerks, das ‚Lebenshilfe“ geben will, ist es nicht getan. Dennoch wird man es auch hierzulande mit viel Gewinn lesen. Bö