Der Schreck sitzt mir noch in den Gliedern. Das hatte ich natürlich nicht gewollt. Konnte ich diese Folgen ahnen? Eines verspreche ich jedenfalls hiermit feierlich: Vom Dollar, was immer von ihm inzwischen übrigbleiben mag, lasse ich in Zukunft die Finger. Noch mal verbrenne ich mir die nicht.

Es ist genau vier Wochen her, da gab es wieder mal eine Dollarkrise. Ich machte sie zum Thema einer Satire. Etwas unerfahren im Umgang mit Dollarkrisen, hatte ich mich auf eine längere Dauer eingestellt und meinen Beitrag gelassen der Redaktion zugeleitet.

Meine Gelassenheit dauerte genau bis zum nächsten Vormittag 12 Uhr. Dann rief die Redaktion an. Ob es mir gut gehe? Wenn die Redaktion wissen möchte, ob es mir gut geht, bedeutet das meist nichts Gutes, und ich fühle mich gleich etwas schlechter. Und dazu hatte ich wieder allen Grund. Also, so ginge das nicht mit der Satire.

Ich verteidigte sie zunächst mal blindlings. Aber dann spielten sie einen fabelhaften Trumpf gegen mich aus. Ob ich noch keine Nachrichten gehört hätte? Nein, zufälligerweise nicht. Dann kam es: Nixon hatte den Dollar abgewertet. Und damit meine Satire ruiniert.

Die nächste Krise war frühestens in zwei, drei Monaten fällig, versicherten die Experten. Das hätte mich eigentlich beunruhigen sollen. Statt aber endlich den Dollar seinem unabwendbaren Schicksal zu überlassen, ritt mich der Teufel. Selbst gewisse Warnsymptome hinderten mich nicht daran, mich erneut mit dem Dollar einzulassen. Ich schrieb eine Satire und, das war mein großer Fehler, wagte eine neue Prophezeiung: Morgen steige der Unzenpreis des Goldes auf ... Um wieviel, das ließ ich offen. Eine innere Stimme muß mich gewarnt haben.

Auch die Redaktion muß eine innere Stimme gehabt haben. Anscheinend war ihr die Sache mit dem Unzenpreis so wenig geheuer, daß sie meinen Beitrag auf eine weniger auffällige Stelle, auf die Seite 10, placierte. Das genügte nicht. Den Spekulanten entgeht nichts, auch nicht die Seite 10. Die ZEIT war am Donnerstag im Handel zu haben. Der Verdacht liegt nahe, daß sich irgendwelche Devisenhändler Vor-Exemplare beschafft haben.

Es muß dann alles sehr schnell gegangen sein. Das Währungskarussel begann sich zu drehen. Und das, vorerst, letzte Währungschaos brach aus.