Wer bei dem Namen Kitzbühel nur müde mit den Schultern zuckt, wer in Crans Montana auch schon jeden Barkeeper duzt, wer in Val d’Isère an jedem Lift per Handschlag begrüßt wird – einem solchen satten Ski-Snob ist eigentlich nur wieder auf die Bretter zu helfen mit einer Kur zurück zur Natur. Also, gen Norden, auf nach Lappland, dort wartet noch Abenteuer, das kalkulierte, versteht sich.

Den Reiz des skandinavischen Sommers haben die Mitteleuropäer schon entdeckt, zwischen Mai und, August nutzen sie die langen Tage. Im Winter ziehen sich dagegen durch Norwegens und Schwedens Pisten nur wenige fremde Spuren. Von .September bis Dezember und Februar bis April ist die schönste Zeit. An den Lifts geht es nicht zentimeterweise voran, hier kann man direkt in den Sessel schießen. Rechnet man also jene Wartezeiten dem Urlaub im Norden zu, zieht andererseits die Investition für Pistenmode und Après-Ski ab, so mag diese Zeit-Geld-Ersparnis schon einen Teil der nicht geringen Anreisekosten decken.

Die Anreise ist wahrlich nicht billig. Natürlich ist es denkbar, daß man aus der Bundesrepublik mit dem Wagen anreist. Das ist zeitraubend, aber reizvoll genug. (Die Fähre braucht von Travemünde nach Trelleborg 6 1/2 Stunden und kostet hin und zurück mit dem Pkw 140 Mark.) Dann empfiehlt sich die Fahrt auf der „Via Lappia“, der „blauen Straße“.

Von Bodo also, nördlich des Polarkreises, fährt man auf Spikes-bestückten Reifen (unerläßlich!) geil Süden über Fauske nach Mo i Rana bei erträglichen Temperaturen (minus acht Grad in diesem harmlosen Winter) streckenweise am Wasser entlang. Ausläufer des Golfstroms verweigern hier Schlittschuh-Läufern eine sichere Unterlage – diesem Sport muß man weiter landeinwärts frönen.

Die „blaue Straße“ wird ausreichend präpariert. Trotzdem bleibe man lieber unterhalb der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 70 bis 90 Stundenkilometern, da bei Geschwindigkeitsübertretungen die Hüter des Gesetzes in jenen Breiten unerbittlich sein sollen.

Aber man muß nicht unbedingt schuldig sein, wenn das Abenteuer auch die finanzielle Wegzehrung angreift: Das Überfahren eines Rentiers wird mit etwa 300 Mark in Rechnung gestellt. Und der persönliche Besitz der Samen (des Nomadenvolkes Lapplands) steht recht häufig mitten auf der Fahrbahn – da darf der Bremsweg nicht zu lang sein. 300 000 Rentiere in Schweden.

Inzwischen ist auch der Polarkreis überfahren, zum Halt und Skilaufen bieten sich Mo i Rana, Tärnaby und Lycksele an. Die Hotels sind in dieser Gegend fast ausnahmslos bestens ausgestattet, für etwa 20 Mark auf dem Lande und 40 bis 50 Mark in den Städten wird ausreichender Komfort geboten, worunter zu verstehen ist: geräumige Zimmer, Dusche oder Bad, Sauna, kleine Sport-Center, bequeme Aufenthaltsräume. Und am Wochenende ergreifen bei hartem Beat norwegische oder schwedische Teens die Initiative zum Tanzen. Richtig: zum Tanzen. Da kann es wohl passieren, daß man ein wenig verspätet das