Von Horst Vetten

Folgende Nachteile hat ein Kommentator des Sportinformationsdienstes (SID) Düsseldorf dem neuen Hauptabteilungsleiter des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) vorgerechnet:

Der politische Journalist Hans Joachim Friedrichs sieht gut aus, hat vielerlei Meriten, nimmt den Sport nicht so sehr ernst, verfügt über Charme und muß zu den „fröhlichen Alleskönnern“ gerechnet werden.

Dies ist nicht etwa eine verspätete Verlautbarung aus dem karnevalsfrohen Rheinland, sondern will sehr ernst genommen werden, mehr noch: sie will verhindern, daß besagter Friedrichs mit all seinen tödlichen Nachteilen für den ernsten Sport im ZDF-Sport das Sagen bekommt. Denn, so gipfelt der Kommentar, „der Sport hat da wohl ein anderes gesellschaftspolitisches Selbstverständnis und auch ein Anrecht darauf, entsprechend gehört zu werden. Er orientiert sich in seinen Zielsetzungen weniger an heute, sondern braucht vielmehr das gediegene Engagement zur Lösung der Aufgaben von morgen.“

Sehr deutlich hört man vor dem geistigen Ohr die Anfangstakte aus Beethovens Fünfter mitschwingen, wenn man das Wort für Wort liest, und augenblicks wird einem klar: dies, nur dies ist der Ton, in dem der Sport aus der Röhre quellen soll, und nicht etwa unernst, fröhlich oder gar charmant.

Der Kommentar ist aber frei, und insofern dürfte Jeckisches auch außerhalb der Karnevalszeit aus Düsseldorf verbreitet werden, gäbe nicht der Zeitpunkt zu denken, an dem der SID, eine Agentur mit Monopolcharakter in der Sportnachrichtengebung, ihn verbreitet hat: Drei Tage bevor ZDF-Chefredakteur Rudolf Wöller seinen engsten Mitarbeitern bekanntgab, er habe Friedrichs als neuen. Mann im Auge.

Gezielte Indiskretion nennt man so etwas, in diesem Falle wegen der beabsichtigten Streuung aber besser: gezielten Schrotschuß.