Opponenten attackieren das Übernahmeangebot des Thyssen-Konzerns

Kurt Fiebich läßt sich die Sache etwas kosten. Der inzwischen von Dortmund in den Düsseldorfer Nobelstadtteil Oberkassel übergesiedelte Berufsaktionär forderte die Aktionäre der Rheinstahl AG in einer viertelseitigen Anzeige im „Handelsblatt“ auf, das Umtauschangebot der August Thyssen-Hütte (ATH) nicht zu akzeptieren. 125 Mark sind, so Fiebich und seine Anzeigenkompagnons, zuwenig.

Mitunterzeichner der Anzeige, die rund 3000 Mark kostet, sind der Essener Steuerbevollmächtigte und Vermögensverwalter E. Wolfhard Eulenbach und die Firma Ender u. Partner, eine Vermögensverwaltungsgesellschaft, an der Eulenbach beteiligt ist. Die Begründung für die Ablehnung liefert Eulenbach. Er rechnet fest damit, daß Rheinstahl 1974 wieder die Gewinnzone erreicht und errechnet für 1975 einen Nettoerreicht von 1,5 Prozent des auf 6,8 Milliarden Mark geschätzten Umsatzes.

Selbst nach einer Kapitalerhöhung von 470 auf 510 Millionen Mark, die Eulehbach in seine Rechnung einsetzt, ergäbe das einen Gewinn von 20 Mark je Aktie und damit bei einem Kursgewinnverhältnis von acht bis neun einen Kurs von 160 bis 180 Mark. „Die Aktionäre besäßen dann immer noch die hohe Substanz von Rheinstahl“, heißt es in der Eulenbach-Analyse.

Vorerst rechnen die Opponenten jedoch mit kleineren Zahlen. Es geht ihnen um fünf Prozent des Rheinstahl-Kapitals, mit denen sie eine außerordentliche Hauptversammlung erzwingen wollen. Dazu bedürfen sie der Hilfe weiterer Aktionäre – nach eigenen Angaben vertreten Fiebich und Eulenbach/Ender zusammen 130 000 Aktien. 235 000 brauchen sie jedoch für die außerordentliche Hauptversammlung. Dabei setzen sie stark auf ihren Darmstädter Kollegen Erich Nold, der in früheren Rheinstahl-Hauptversammlungen allein an die fünf Prozent des Kapitals vertrat.

Aber Nold verspürt wenig Lust, in das „Unternehmen a. o. HV“ einzusteigen. „Fünf Prozent“, so sagt er, „sind viel zuwenig. Was wir brauchen, ist ein besseres Angebot.“ Auf die Frage, wer dies denn abgeben solle, antwortet Nold: „Warten Sie mal ab, vielleicht der heilige Geist.“ Für ihn ist das Thyssen-Angebot ein „übler Karnevalsscherz“, dem schnell ein Ende bereitet werden müsse.

Nold weiß auch, wie die Rheinstahl-Misere entstanden ist: „Der Herr Söhngen hat immer gut für die Aktionäre gesorgt. Dann hat man ihm übel mitgespielt und ihn davongejagt, um mit einer Aushungerungspolitik à la Ford und Daimler-Benz beginnen zu können.“