Ein halbes Jahr nach dem Überfall auf die israelische Olympiamannschaft in München hat die radikalste Palästinenser-Organisation, der „Schwarze September“, die Weltöffentlichkeit erneut durch Geiselmorde aufgeschreckt. Die jetzige Aktion in der Sudan-Hauptstadt Khartum endete allerdings mit der Kapitulation der acht Terroristen, die das Ziel ihrer Erpressung nicht erreichten.

Am vorigen Donnerstag hatten acht Guerillas die saudiarabische Botschaft in Khartum gestürmt, als dort gerade ein Abschiedsempfang für den amerikanischen Geschäftsträger Curtis Moore gegeben wurde. Die Terroristen hielten Moore, den neuen US-Botschafter Noel und den belgischen Diplomaten Eid zusammen mit dem gastgebenden saudiarabischen Missionschef und den Repräsentanten Jordaniens als Geiseln fest.

24 Stunden später erschossen sie die beiden Amerikaner und den Belgier, nachdem ihre Forderung auf Freilassung von mindestens 60 in Jordanien inhaftierten Palästinensern und des in amerikanischer Strafhaft sitzenden Mörders von Robert Kennedy, Sirhan, abgelehnt worden war. Das Verlangen, auch Mitglieder der Baader-Meinhof-Gruppe herauszugeben, hatten die Terroristen aufgegeben, weil der deutsche Botschafter Ernst Michael Jovy „zu seinem Glück nicht anwesend war, wie wir gehofft hatten“. Jovy hatte auf den Empfang zugunsten einer anderen Einladung verzichtet, da der Parlamentarische Staatssekretär Karl Moersch vom Auswärtigen Amt gerade in Khartum war.

Nach der Ermordung der Geiseln forderten die Palästinenser freien Abzug. Sie wollten mit den beiden letzten Geiseln nach Libyen fliegen. Die Regierung des Sudan lehnte aber weitere Verhandlungen ab und erreichte schließlich, daß die acht Schwerbewaffneten sich am Sonntagmorgen nach sechzigstündigem Nervenkrieg ergaben.

In die Empörung der Weltöffentlichkeit mischten sich deutlicher als bei früheren Terroranschlägen der Palästinenser auch arabische Stimmen. König Feisal von Saudi-Arabien, der die Guerillas bisher finanziell unterstützt hat, sprach in einem Telegramm an die sudanesische Regierung von „Erpressungen durch Verbrecher“. Der sudanesische Präsident Numeiri wertete die Morde als „unerträgliches Verbrechen“ und kündigte unnachsichtige Bestrafung der Täter an. Den Palästinenser-Chef Yasir Arafat beschuldigte er, mitverantwortlich am Mordanschlag zu sein.

Der zunehmende arabische Verdruß über den Terror unbeeinflußbarer Fanatiker läßt Israel auf Verhandlungsbereitschaft seiner Nachbarn hoffen. Ministerpräsidentin Golda Meir wiederholte jetzt in Amerika die Signale: Israel biete „echten Frieden und echte Freundschaft“ an. Es müsse aber ohne Vorbedingungen verhandelt werden, also ohne vorherigen Teilrückzug der israelischen Truppen.

Hinsichtlich der 1967 eroberten Gebiete zeigte sich Frau Meir etwas flexibler als bisher. Allerdings ist der Stützpunkt Scharm el Scheik, der die Wasserstraße von Tiran kontrolliert, nach ihren Worten kein Verhandlungsgegenstand; die Golan-Höhen könnten es immerhin in Details des Grenzverlaufs sein.