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Augsburg, Ingolstadt, Donauwörth ersticken unter einer dichten milchblauen Dunstglocke; das einst romantische Donauufer zwischen Ingolstadt und Kelheim ist eingedickt von den Giftschlieren der Raffinerien. Während des Anflugs auf München taucht das Flugzeug in einen trüben, metallisch schillernden Abgasschleier ein, der mit seinen Ausläufern bis Freising, Ottobrunn, Starnberg wie ein Polyp über der Stadt mit der höchsten Giftkonzentration Deutschlands hängt.

Großstädte wie München, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Stuttgart wünschen zwar einerseitsdie prestigeträchtigen Nonstopverbindungen mit New York und heben sofort einen lautstarken Protest an, wenn diese Verbindungen aus wirtschaftlichen Gründen gestrichen und die devisenträchtigen Auslandsverbindungen eingeschränkt werden. Genauso lautstark wird andererseits gegen den Lärm protestiert, den die so dringend herbeigewünschten Flugzeuge erzeugen. Eine norddeutsche Kleinstadt in Ostseenähe kämpfte jahrelang zäh und verbissen darum, mit seinem Flugplatz Trainingszentrum für eine Pilotenschule zu werden. Kaum waren die ersten Trainingsflüge gestartet, so protestierten dieselben Stellen gegen den unerträglichen Lärm!

Im Gegensatz zu dieser leicht zu durchschauenden Schizophrenie, bei der Gewinnbilanz, Public Relations und Sorge um die Verbesserung der Lebensqualität geschickt gemischt werden, bemühen sich die Planungsorganisationen für zukünftige Verkehrsflughäfen von vornherein darum, die bis zu vier Kilometer langen Startbahnen in möglichst unberührte Gegenden zu verlegen.

In Zukunft wird zu fragen sein, ob sogenanntes Brachland wirklich wertloser ist als ein Acker, auf dem Kohl schon seit Jahren nicht abgeerntet wird, weil der Arbeitslohn die Verkaufseinnahmen übersteigt. Die Unantastbarkeit sogenannten kultivierten Landes, seine Vorrangstellung gegenüber der sogenannten nutzlosen Wildnis, den Sümpfen und Mooren, ist eine der vielen heiligen Kühe, die geschlachtet werden müssen, wenn die Menschheit überleben soll. Ein radikales Umwerten wird notwendig werden. Denn gerade jene unberührten ödnisse, die heute für die Anlage neuer, großstadtferner Flughäfen herangezogen werden, erlangen mehr und mehr Bedeutung für unsere Überlebenschance. Das Aussterben der Graureiher, Wanderfalken, Uhus und Wiedehopfe ist längst nicht mehr das Problem einzelner Naturverehrer. Nur eine Landschaft, in der die Ökologie, der Wasserhaushalt, das Wildleben noch „stimmen“, kann letztlich für den Menschen bewohnenswert sein.

Der mühsame Prozeß des Umdenkens scheint sich im Bereich der Flugzeugindustrie am markantesten zu vollziehen. Experten halten Flugzeuge, die leiser als Autos sind, für keine Utopie mehr. Die Arbeitsgemeinschaft deutscher Flughäfen hat an vier große Flugzeugherstellerfirmen erstmals Auszeichnungen vergeben, weil sie den technologischen Fortschritt systematisch zur Erzielung besserer Umweltbedingungen ausgenutzt hätten. So weist zum Beispiel die neue DC-10 gegenüber dem älteren Jumbo B-747 eine Reduzierung des Startlärms um 9 Decibel aus.