Die Zusammenarbeit zwischen den Sozialwissenschaften und den Architekten und Städteplanern währt vielleicht ganze zwanzig Jahre. Ihre Geschichte kann in mehrere Phasen eingeteilt werden:

In der ersten Phase untersuchten die Stadt- und Gemeindesoziologen Probleme wie Nachbarschaft oder Kommunikation in Stadtvierteln. Dies geschah zwar selten in der erklärten Absicht, für Stadtplaner und Architekten handhabbares Wissen zu liefern, etwa darüber, wie man die Gebäude anordnet, damit die Bewohner ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis zueinander bekommen. Dennoch wurden die Untersuchungsergebnisse vielfach so verstanden und konnten deshalb nie befriedigen.

Sozialwissenschaftler und Architekten fühlten sich beide in ihrer Rolle unwohl, weil sie die Erwartungen, die einer an den anderen stellte, nicht erfüllen konnten: Der Architekt oder Städtebauer erwartete „Lebensregeln“ etwa in Form von soziologisch fundierten Bauvorschriften. Er bekam Problemaufrisse, gesellschaftliche Analysen, bestenfalls Befragungsergebnisse. Mit dem Planen und Bauen hatten sie zunächst wenig zu tun. Er konnte sie zwar zur Kenntnis nehmen, aber nicht in die Praxis umsetzen. Die Lektüre der soziologischen Traktate wurde (und wird) ihm zudem schwer gemacht. Über das Soziologiedeutsch beklagt man sich ja noch heute, zu recht.

Der Soziologe wiederum erwartete vom Architekten, daß er seine noch weithin verbreiteten, verschrobenen Vorstellungen von der Natur des Menschen und vom „Wesen“ der Stadt mit Hilfe der Soziologie an der Realität messe, allumfassende Heilsvorstellungen aufgebe und für die (empirisch ermittelten) Bedürfnisse der Bevölkerung plane. Erklärte sich der Architekt hiermit einverstanden und fragte nach entsprechenden Untersuchungen, so waren kaum welche da. Ein Zurück zu der Selbstherrlichkeit etwa eines Corbusier gab es aber auch nicht mehr. Der Architekt war ratlos.

Man wußte, daß man sich eigentlich mehr zusammentun müßte. Weil die Voraussetzungen dazu fehlten, griff einer den andern aus relativ gesicherten Positionen heraus immer wieder an. Im Höchstfall „leistete“ sich eine Baugesellschaft einmal ein soziologisches Gutachten, das an ein Universitätsinstitut vergeben wurde – scheinbar als Alibi des guten Willens und der politischen Redlichkeit, in Wirklichkeit, um Bauabsichten besser durchzusetzen!

Marx als Leitbild

In der zweiten Phase wurde auch von Stadtplanern mehr und mehr eine Zusammenarbeit gefordert. Einzelne Planungsämter in den Kommunen begannen, Soziologen fest anzustellen.