DIE ZEIT

Dem Frieden näher?

Auch dieser Wahnsinn hat Methode: das Morden der Terrortruppe vom „Schwarzen September“, jenes kleinen, aber gewalttätigen Guerilla-Kerns unter den palästinensischen „Befreiungsorganisationen“.

Wunschträume

Ein paar Tage lang stand die Katholische Synoden-Kommission im Ruf, Vortrupp des modernen Katholizismus zu sein. Sie hatte mit einem Zitat Schlagzeilen gemacht.

Alte Anklage

Werner Kuhlmann, der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, leidet am Bundesgrenzschutz. Das hat er mit seiner Attacke gegen die Truppe und gegen den Bundesinnenminister Genscher aufs neue bewiesen – und bis auf weiteres ist das auch das einzig Greifbare an der seit acht Tagen dauernden Kuhlmanniade geblieben.

Ein Mandat für Wandel

In Frankreich ist nach dem ersten Wahlgang alles noch offen. Einen Erdrutsch hat es nicht gegeben. Die gaullistische Mehrheit ist zusammengeschmolzen, die Linke hat zugenommen, den „Reformatoren“ ist ein Durchbruch nicht gelungen.

Wahlen in Chile: Kein Scherbengericht

Die chilenische Opposition hat am vergangenen Sonntag die Wahlen gewonnen und steht doch als Verlierer da. An dieser paradoxen Situation trägt sie selber die Hauptschuld.

Zeitspiegel

Die Junge Union (JU) der CDU will bei den Kreistagswahlen in Baden-Württemberg Anfang April in einigen Kreisen eigene Listen aufstellen und sich, was den Christlichen Demokraten einiges Unbehagen verursacht, unter Umständen als „konträrer Partner“ der CDU präsentieren.

Worte der Woche

„Wer im Gegensatz zu der Interpretation der Bundesregierung und der Erklärung der Außenminister der Nordatlantischen Gemeinschaft davon spricht, dieser Vertrag mache die Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts für alle Deutschen für alle Zukunft unmöglich, der verbaut die Möglichkeit für die künftige Deutschlandpolitik.

Wolf gang Ebert: Finger weg vom Dollar!

Der Schreck sitzt mir noch in den Gliedern. Das hatte ich natürlich nicht gewollt. Konnte ich diese Folgen ahnen? Eines verspreche ich jedenfalls hiermit feierlich: Vom Dollar, was immer von ihm inzwischen übrigbleiben mag, lasse ich in Zukunft die Finger.

Währungskrise: Dämme gegen den Dollar

Schmidt: Sowohl die vorige Dollar-Krise von Anfang Februar als auch die jetzige Dollar-Krise sind von der Bundesregierung nicht nur als währungspolitische Aufgabenstellung empfunden worden, sondern darüber hinaus ganz wesentlich als außenpolitische Problemstellung.

Christliche Demokraten: Sepplhut im Fraktionsring

Franz Josef Strauß hat ein seltenes Talent, seine Gegner und noch mehr seine Freunde zu verwirren. Er ist sowohl in der Programmatik als auch in der Personalpolitik verblüffender Kursänderungen fähig.

Sozialdemokraten: Politische Querschläger

Bundesverteidigungsminister Georg Leber entschuldigte sich jüngst brieflich beim Oberbefehlshaber der US-Landstreitkräfte in Heidelberg für abfällige Bemerkungen, die ein südhessischer Parteigenosse und Landrat über die Stationierungsstreitmacht hatte fallenlassen: Der Sozialdemokrat müsse eigentlich wissen, daß Entspannungsbemühungen noch keine Entspannung seien und "alles, was geeignet ist, die Anwesenheit amerikanischer Truppen in Frage zu stellen, auch diese Entspannungsbemühungen stören muß".

Zum Tode von Karl Gerold: Der arme, reiche Konrad

Karl Gerold hat im Nachkriegsdeutschland Zeitungsgeschichte gemacht. Der eigenwillige und oft eigensinnige Herausgeber, Verleger und Chefredakteur der Frankfurter Rundschau war der dienstälteste Lizenzträger der ehemaligen amerikanischen Besatzungszone.

Wahlen in Frankreich: Linker Vormarsch

So unsicher auch das Resultat der zweiten Runde bei den französischen Parlamentswahlen noch ist, eines läßt sich an Hand der Ergebnisse des ersten Wahlganges ablesen: das Kräfteverhältnis zwischen den „Erben des Gaullismus“ und ihren Widersachern wird sich deutlich verschieben.

Nach den irischen Parlamentswahlen: Machtwechsel in Dublin

Die Regierungschefs in London und Dublin werden gewöhnlich um ihr Vorrecht beneidet, das Datum für Parlamentswahlen fast nach Gutdünken bestimmen zu können, sofern sie schon vor Ende der Legislaturperiode eine Chance wittern, das Rennen von neuem zu wagen.

Aktuelle Krisenherde

In der syrischen Stadt Hama ist nach Angaben der Regierung ein „versuchter Aufstand“ niedergeschlagen worden. Bei den Unruhen, die nach libanesischen Zeitungsberichten auch auf die Hauptstadt Damaskus übergegriffen haben, sind – derselben Quelle zufolge – 41 Menschen ums Leben gekommen (nach offiziellen syrischen Angaben vier).

Sioux-Indianer auf dem Kriegspfad

Im Jahre 1890 fand bei Wounded Knee („Verletztes Knie“) an der „Biegung des Flusses“ – so der Titel eines Erfolgsromanes über das Schicksal der Indianer – im amerikanischen Bundesstaat Süddakota eines der letzten Gefechte zwischen Indianern und weißen Soldaten statt.

Geiselmorde in Khartum

Ein halbes Jahr nach dem Überfall auf die israelische Olympiamannschaft in München hat die radikalste Palästinenser-Organisation, der „Schwarze September“, die Weltöffentlichkeit erneut durch Geiselmorde aufgeschreckt.

Ungelöste Währungskrise

Nur zwei Wochen nach der Dollarabwertung um zehn Prozent fluteten neue Spekulationsmilliarden nach Deutschland. Die Bundesbank mußte allein am vorigen Donnerstag 2,6 Milliarden Dollar aufkaufen, um die Leitwährung am untersten Interventionspunkt von 2,8350 Mark zu stützen.

Dokumente der ZEIT: Bahr - Normale Schwierigkeiten

„Nachdem es 20 Jahre lang eine Situation der Feindseligkeit und der Verhärtung gegeben hat, ist es nicht vorstellbar, daß von heute auf morgen die Dinge zwischen den beiden Staaten reibungslos laufen und funktionieren.

Frankreich: Wahlausgang offen

Ohne eine klare Entscheidung, aber mit erheblichen Stimmenverlusten für das gaullistische Regierungsbündnis und mit Erfolgen für die oppositionelle Linkskoalition aus Kommunisten und Sozialisten ist am Sonntag die erste Runde der französischen Parlamentswahlen über die Bühne gegangen.

Irland: Lynch muß gehen

In der Republik Irland (Eire) haben die Parlamentswahlen zu einem Machtwechsel geführt. Nach 16jähriger Regierung wird die Fianna-Fail-Partei des Premierministers Jack Lynch vom Bündnis der Opposition, Fine Gael und Labour Party (Mitte-Links), abgelöst.

Chile: Allende bleibt

Bei den chilenischen Wahlen hat sich die regierende Volksfront (Unidad Populär) am vergangenen Sonntag wider Erwarten gut behauptet.

Pariser Vietnam-Kompromiß

Die Pariser Vietnam-Konferenz endete am Freitag nach fünftägiger Dauer mit der Unterzeichnung der Schlußakte durch die Außenminister der zwölf Teilnehmerstaaten.

Mord in der Botschaft

Am Sonntagmorgen, kurz nach sieben Uhr, trugen die Terroristen drei zugedeckte Bahren aus der Residenz des saudiarabischen Botschafters in Khartum.

US-Auslandshilfe: Keine Dollars für Hanoi?

Die ersten Schwierigkeiten bereitet Hanoi. Es will die über fünf Jahre zu verteilende amerikanische Beihilfe in Höhe von rund 2,5 Milliarden Dollar ohne Kontrolle der Vereinigten Staaten und ohne Einschaltung internationaler Organisationen verwenden.

Verfassungsstreit um das Rentengesetz: Was darf der Bundesrat?

Eine kleine Gruppe von Bundesbürgern, zwischen 63 und 65 Jahre alt, ohne Einfluß und Lobby, ist zum Gegenstand des ersten Showdown zwischen der neugewählten sozial-liberalen Parlamentsmehrheit und der von der CDU/CSU beherrschten Ländervertretung geworden.

Brief aus Warschau: Schnelleren Schrittes

Mieczyslaw Rakowski ist Chefredakteur der in Warschau erscheinenden Wochenzeitung „Polityka“, Abgeordneter im polnischen Parlament und Mitglied des ZK.

Kölner Karneval: Jecken sind keine Kniesbüggel

Das Festkomitee des Kölner Karnevals feierte in diesem Jahr nicht nur Karneval, sondern feierte auch einmal sich selbst. Das oft beschimpfte, aber für den planmäßigen Lauf der (Karnevals-)Züge eben unabdingbare Komitee hatte Geburtstag.

Leere Wohnhäuser in Frankfurt: Tarnung mit Tüll und Topfblumen

Die Geranien vor den Fenstern, die schon ein wenig vergilbten Gardinen, der kleine gepflegte Vorgarten und die halbgefüllten Mülltonnen hatten die in Frankfurt noch immer nach passenden „Objekten“ suchenden Hausbesetzer länger als ein Jahr an der Nase herumgeführt.

„Vier-Millionen-Ding“ in Düsseldorf (II): Kurzer Traum vom Glück

Was bin ich doch für ein Schaf gewesen!“ Günter Heinemann, 29 Jahre alt und seit einer Woche wegen des Düsseldorfer „Vier-Millionen-Dings“ in aller Munde, zuckte in der holländischen Untersuchungshaft resigniert die Schultern, ließ sich Kugelschreiber und Papier geben und fertigte unter den leuchtenden Augen der aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt herbeigeeilten Kripobeamten drei detaillierte Lageskizzen an: „Da habe ich das Geld vergraben.

Lokalzeit: Immer Ärger mit der Umwelt

Der eine heißt Herbert Vahsen und wohnt im industriereichen Essener Norden; der andere heißt Günter Gastmann und nennt einen sieben Hektar großen Waldpark im villenreichen Essener Süden sein eigen.

Münchner SPD-Ratsfraktion: Vorwürfe gegen zehn Wortbrüchige

In München ist die SPD wieder einmal zerstritten. Der Unterbezirk der bayerischen Landeshauptstadt ist spätestens seit der Ablösung Hans Jochen Vogels durch Rudolf Schöfberger fest in der Hand der Linken; jetzt steht die Rathausfraktion der Sozialdemokraten vor der endgültigen Spaltung.

„Alice im Wunderland“ und die Kinder von heute: Angstträume

Alice ist ein Maßstab, „Alice im Wunderland“, geboren 1864. Amerikanische Krimis nehmen das Muster der Verfremdung auf („Alice im Niggerland“), Londoner Warenhäuser zeigen zu Weihnachten in allen zwanzig oder dreißig Schaufenstern Alice-Szenen, in englischen Literaturgeschichten wird „Alice’s Adventures in Wonderland“ als „greatest of all English stories for children“ bezeichnet, der französische Regisseur René Clement benutzte Szenen und Helden der Alice mit einer Selbstverständlichkeit in seinem neuesten Film „Treibjagd“, die darauf schließen läßt, daß er diese „Phantasiegeschöpfe zwischen Traum und Tod, Phantasie und Gewalt“ für allbekannt halten kann – in Frankreich.

Normalisierung zur Disziplinierung?: Am Ende der Piraterie

In seinem satirischen Ostblock-Reisebericht „Beck“ schildert John Updike eine manchem westlichen Schriftsteller geläufige Verlegenheit bei der Rußlandreise: Wie verprasse ich die Rubel, die mir als Honorar für die sowjetischen Ausgaben meiner Bücher ausgehändigt werden? In westliche Währungen umgetauscht werden dürfen sie nicht; sündiger Luxus für die Zeit des Rußlandaufenthalts ist nicht zu haben; der Privatbedarf an Pelzmützen, Kameras und Kaviar ist begrenzt.

Argumente für und gegen: Reisen zu Schiff

Es könnte eine bedauerliche Informationslücke entstehen, wenn für Urlaubsreisen neben den üblichen Verkehrsmitteln nicht auch die etwas ausgefalleneren erwogen würden.

Schallplatten

Béla Bartók: „Musik für Saiteninstrumente, Schlagzeug und Celesta“ / Igor Strawinsky: „Apollon Musagète“; Berliner Philharmoniker, Leitung: Herbert von Karajan; Deutsche Grammophon Gesellschaft 2530065, 25,– DM Vor gar nicht einmal so langer Zeit hat Karajan die Bartok-Musik bei Electrola eingespielt – die beiden Aufnahmen zu vergleichen, ist hochinteressant.

Zeitmosaik

Während Wolfgang Dem Nachfolger von Edmund Gruber wird, der künftig von London statt aus Tel Aviv für die ARD berichten wird, so ist Wolf Grabendorff bereits in Buenos Aires, um die Nachfolge in der Lateinamerika-Berichterstattung für Dieter Kronzucker anzutreten, der bisher in Caracas saß und nun nach Hamburg geht, als Leiter der „Weltspiegel“-Redaktion und Nachfolger von Winfried Scharlau, der nach Hongkong geht, wo er Günter Müggenburg ablöst, der nach Washington geht als Nachfolger für Klaus Bölling, der Intendant in Bremen wird und Hans Abich ablöst, der nach München in die ARD-Zentrale geht als Chefkoordinator, was bisher Dieter Gütt machte, der als UN-Berichterstatter nach New York geht.

Kreative Slums

London gehört uns“ – dieser Schlachtruf soll die Bürger der einwohnerreichsten Stadt Europas am 1. April in kampfbereiten Scharen auf dem Trafalgar Square versammeln.

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