Köln

Das Festkomitee des Kölner Karnevals feierte in diesem Jahr nicht nur Karneval, sondern feierte auch einmal sich selbst. Das oft beschimpfte, aber für den planmäßigen Lauf der (Karnevals-)Züge eben unabdingbare Komitee hatte Geburtstag. Es wurde 150 Jahre alt und gebärdete sich denn auch nach dem Motto: Närrischer geht’s nicht mehr. Obernarr – oder wie es in Köln heißt – Oberjeck Ferdi Leisten ließ sich mit den Seinen etwas Besonderes einfallen: Ein Jubiläumsfeuerwerk.

Doch die pyrotechnischen Besonderheiten wurden von einer besonderen Überlegung sozusagen in den Schatten gestellt: Die Zuschauer sollten Eintritt bezahlen, durften das rechtlich nicht, taten es schließlich doch fast alle, weil man ihnen nicht sagte, daß sie es eigentlich nicht müßten.

Die Überlegung war: Wenn wir zwei Mark Eintritt nehmen und 80 000 Leute kommen, haben wir die Unkosten wieder drin. Überschüsse sollten zur Finanzierung des mit einer Million Mark bisher teuersten aller Kölner Rosenmontagszüge dienen.

Geplant war, die Hauptverkehrsstraße am linken Rheinufer zu sperren, da man nur von dort aus das am anderen Ufer abgebrannte Feuerwerk bestaunen konnte. Auf die abgesperrte Straße sollte nur dürfen, wer zuvor für zwei Mark eine Ansteckplakette als Eintrittskarte gekauft hatte. Die Vorbereitungen liefen schon auf Hochtouren, als der städtische Dezernent für Recht und Ordnung eine Woche vorher feststellte, daß die geplante Lösung weder rechtens noch sonstwie in Ordnung war. Straßen dienen laut Gesetz dem Gemeinbrauch, und bis auf Parkgroschen darf für ihre Benutzung keine Gebühr erhoben werden.

Kölns Oberjecken blieb das „Alaaf“ im Halse stecken. Sollte das schöne Jubiläumsfeuerwerk, auf das man sich seit gut einem Jahr vorbereitet (und gefreut) hatte, nun ausfallen müssen?

Während der Dezernent mit einer Gruppe von Ratsmitgliedern auf Studienreise zum Karneval ins italienische Viareggio fuhr, zerbrachen sich Ferdi Leisten, Oberbürgermeister Theo Burauen und Oberstadtdirektor Professor Mohnen die Köpfe. Das Ergebnis war ein echtes „kölsches Modell“. Man wollte nur die dem Ufer näherliegende Fahrbahn sperren und die Gegenfahrbahn dem Gemeingebrauch überlassen.