Schalom Ben-Chorin erinnerte in seinem kürzlich erschienenen autobiographischen Werk „Ich lebe in Jerusalem“ daran, daß Ephraim Kishon „jenen israelischen Humor kreierte, der sich vom jüdischen Witz grundlegend unterscheidet, nicht mehr die Selbstironie des Unterlegenen darstellt, sondern das Lachen über den eigenen problematischen Fortschritt“. Und er fügt, auf Ben-gavriel verweisend, hinzu: „... eine Gegenüberstellung dieser beiden Humoristen zeigt zugleich den Gegensatz: Tel Aviv–Jerusalem.“

In diesen noblen Anmerkungen spricht nichts gegen Kishon und seinen urbanen Humor aus Tel Aviv, aber einiges für Ben-gavriel und seinen literarischen Rang. Auch soll dem Leser damit nicht der Spaß an Kishon verdorben werden; es geht lediglich um die Abgrenzung eines ganz und gar feuilletonistischen Bereiches gegenüber der Region subtilen literarischen Humors.

Kishons Geschichten sind Alltagsgrotesken, garniert mit intelligentem Wortwitz („Die offizielle Sprache unseres Landes ist das Hebräische ... übrigens die einzige Muttersprache, welche die Mütter von ihren Kindern lernen“). Lokale oder auch nationale Gegebenheiten bilden darin die spezifische israelische Komponente. Die allgegenwärtige Situationskomik verblüfft um so mehr, als die auf den Kopf gestellte Logik doch immer den Kopf oben behält.

So reflektiert Kishon die Gepflogenheiten des „Staates Israel“, altzionistische Einwanderer mit Empfehlungsschreiben bei der schwierigen Wohnungssuche zu unterstützen: „Es wurden bisher zweiundfünfzig ehemalige Sekretäre Theodor Herzls gezählt.“ Einwanderungsprobleme, Kibbuzleben, Bürokratie, Zores aller Art, Orthodoxie und „Emanzipation“, kleine Organisationsdefekte und der unbezähmbare Arbeitsgeist in den wachsenden Städten (als Tel Aviv „etwa 1500 Einwohner zählte, war der Lärm so groß, daß 5000 von ihnen das Weite suchten“): solchen Themen verdankte Kishon seine fündigsten Einfälle und (als seine Bücher internationale Bestseller wurden) das Israel der Aufbauphase zweifellos eine Popularität, die sich auf herzliche Sympathie berufen konnte.

Kishons 1961 erschienener Debütband aus jener Phase wurde jetzt neu aufgelegt –

„Drehn Sie sich um, Frau Lot!“ – Satiren aus Israel, deutsch von Friedrich Torberg; Langen Müller Verlag, München; 222 S., 5,– DM. Gemessen an jenem ist die jüngste Sammlung – Ephraim Kishon: „Salomos Urteil zweite Instanz – Neue Satiren“, deutsch von Friedrich Torberg; Langen Müller Verlag, München; 286 S., 19,80 DM

– eine schon bedenkliche Enttäuschung. Die Reputation des Autors mag den Verkaufserfolg noch hinreichend motivieren. Doch hält er schon lange nicht mehr, was die ersten Bücher versprachen. Hier muß man mühsam nach einer geschliffenen Pointe, nach einem zündenden Einfall, nach einem halbwegs humoristischen Sujet suchen. Dafür: dünne Witzblattgeschichten, in denen Schnuller, Telephone, Kaugummi, Fußballtoto, ein süßes Hündchen, die Schweiz, die New Yorker Theaterpremiere des Autors, die Mini-Maxi-Mode und so weiter den Leser an den Rand einer Allergie treiben. Israelisches Lokalkolorit gibt es nur noch ausnahmsweise. Die wenigen politischen Beiträge muten selbst dem gutwilligsten Leser einiges zu. Da sucht die „aktive Großmutter“ Golda Meir wieder einmal Nixon heim. „Mit zitternden Knien lehnte sich Rogers an die Wand. Und Nixon starrte aschfahl auf die Eingangstür...“