Düsseldorf

Was bin ich doch für ein Schaf gewesen!“ Günter Heinemann, 29 Jahre alt und seit einer Woche wegen des Düsseldorfer „Vier-Millionen-Dings“ in aller Munde, zuckte in der holländischen Untersuchungshaft resigniert die Schultern, ließ sich Kugelschreiber und Papier geben und fertigte unter den leuchtenden Augen der aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt herbeigeeilten Kripobeamten drei detaillierte Lageskizzen an: „Da habe ich das Geld vergraben. In Plastiktüten. Gar nicht tief.“

Und während in Düsseldorf Zehntausende Närrinnen und Narren den Weg des Rosenmontagszuges säumten und schunkelnd kundtaten „hätten wir lieber das Geld vergraben...“, robbten im nahen Mönchengladbach drei Oberbeamte der Düsseldorfer Kripo und ein weiblicher Kollege durch den Morast des von Heinemann skizzierten Waldstücks und brachen sich als verbissene Schatzsucher reihenweise die Fingernägel ab. Und knapp eine Stunde später – über Düsseldorfs „Kö“ wurde gerade ein Sarg mit der Aufschrift „Die Milliönsche sin fott“ getragen – fühlte Kriminalkommissarin Anneliese Buchholz plötzlich Plastik unter den in der Erde wühlenden Fingern: „Mensch, ich glaub’...“

Knapp eine Viertelstunde später lagen drei Plastiktüten – von Heinemann unmittelbar nach dem Coup in einem Mönchengladbacher Kaufhaus erstanden – freigebuddelt auf dem Waldboden. „Hoffentlich kein Packpapier!“ murmelte einer aus der ehrfürchtig staunenden Runde – schließlich hatte Heinemann schon gleich nach seinem Unternehmen eine Menge falscher Spuren gelegt. Ein Auto am Flugplatz, einen in der Wohnung zurückgelassenen sorgsam zerstückelten Prospekt für eine Flugreise ins sichere Südamerika – da könnten drei Plastiktüten voller Einwickelpapier durchaus ins Bild passen. Plötzlich wieder zitternde Hände beim Blick ins Tüteninnere, und dann kein Zweifel mehr: Das sind Millionen ...

Rasende Rückfahrt nach Düsseldorf ins Polizeipräsidium, schwerbewaffnetes Geleit hinauf in die zweite Etage und dann von der Pressestelle der Anruf in alkoholgeschwängerte Lokalredaktionen: „Kommt rüber – das Millionending ist klar!“

Eine halbe Stunde später: Blitzlichtgewitter der Photographen, Kriminalbeamte, die sich triumphierend auf dem Millionenfund niederlassen – und im holländischen Untersuchungsgefängnis sitzt ein niedergeschlagener Amateur, der den Coup seines Lebens landen wollte und dann alles falsch gemacht hat. Millionen haben sein Gaunerstück halb belustigt, halb neidisch mitverfolgt, von Düsseldorf bis in das um diese Zeit nahezu leerstehende, Bungalowdorf in der Nähe von Den Helder, wo dann – nach einem noch ominösen Tip – die Falle zuschnappte.

Die Affäre ist zu Ende. Der „geniale“ Planer des Düsseldorfer Vier-Millionen-Dings ist in die Rolle des kleinen Gauners zurückgefallen, von dem morgen niemand mehr sprechen wird.

Hans Pluschke