Was vor Jahren noch für die Wissenschaftler und Techniker der Bionic Instruments Inc. im amerikanischen Bala Cynwyd ein kühnes Projekt war, ist inzwischen praktikable Wirklichkeit geworden: Anfang 1974 soll der laser-cane reif für die Serienproduktion sein. Die ersten zehn Exemplare dieses Laser-Blinden-Stockes sind von Blinden getestet und als sehr zufriedenstellend befunden worden. Nach einem zweiwöchigen Spezial-Trainingskurs in einem amerikanischen Rehabilitationszentrum waren die Testpersonen mit Hilfe dieses neuartigen Gerätes in der Lage, Hindernisse rechtzeitig zu entdecken, die sie ansonsten zu spät oder gar nicht bemerkt hätten.

Im Vergleich zu allen anderen elektronischen und akustischen Blindenhilfen hat der „Laser-Stock“ den Vorteil, daß er ein dem Blinden bereits vertrautes Hilfsmittel verbessert und damit keine allzu großen Angewöhnungsschwierigkeiten mit sich bringt. Der „laser-cane“ besteht aus einem in der Länge von 100 bis 140 cm verstellbaren Blindenstock, der mit drei „Gas-Raumtemperatur-Injection-Lasern“ ausgerüstet ist, die vierzigmal in der Sekunde einen jeweils 0,1 Mikrosekunden lang andauernden, infraroten Lichtstrahl aussenden. Wenn einer dieser Laser-Strahlen auf einen Gegenstand trifft, wird das Licht zurückgeworfen und durch das optische System eines Empfangsgerätes gesammelt. Je nach dem Grad des Einfallwinkels kann dabei auf die Entfernung des Hindernisses geschlossen werden.

Einer der drei Laser-Strahlen ist nach unten gerichtet und macht so den Blinden auf Unregelmäßigkeiten der Gehstrecke aufmerksam. Geht er zum Beispiel auf eine nach abwärts führende Treppe zu, dann ertönt ein gut hörbares Signal. Der zweite Laser-Strahl tastet Gegenstände ab, die sich etwa einen halben Meter über dem Boden befinden. Je nach Wunsch des Benutzers kann seine Entfernung auf einen bis dreieinhalb Meter eingestellt werden. Berührt dieser mittlere Laser-Strahl ein Hindernis, dann spürt der Blinde am Haltegriff seines Taststockes einen Impuls, oder es ertönt wahlweise ein Signal. Der dritte nach oben weisende Laser-Strahl ist auf Hindernisse gerichtet, die sich in einer Entfernung von vier bis sechs Meter in Kopfhöhe befinden, wodurch der Blinde vor Zweigen eines Baumes oder vor Straßenschildern gewarnt wird. Der Preis des neuen Gerätes ist zur Zeit noch sehr hoch. Die Herstellungskosten für die ersten zehn Exemplare betrugen 4500 Dollar pro Stück. Nicht viel erschwinglicher werden aller Voraussicht nach auch die Modelle der nächsten Produktionsserie sein: Jeder dieser 50 laser-canes wird 3000 Dollar kosten. Die Herstellerfirma hoffe jedoch, den Preis auf tausend Dollar reduzieren zu können, wenn das Gerät in einer größeren Stückzahl fabriziert wird.