Regina Molitor (Hrsg.): Kontaktstudium – Ökonomie und Gesellschaft. Athenäum Fischer Taschenbücher, Frankfurt am Main. 281 Seiten, 10,80 DM.

Wissenschaftler haben es meist schwer, mit ihren Erkenntnissen bis zu den Praktikern der Wirtschaft vorzudringen. Doch die Herren Professoren geben sich auch nicht gerade große Mühe: Oft bedarf es eines Dolmetschers, um wissenschaftliche Terminologie in verständliches Deutsch zu übertragen. Vor etwa zwei Jahren begann das Magazin Wirtschaftswoche mit dem Versuch, diese Kluft zu überbrücken. In einer als „Kontaktstudium“ deklarierten Artikelserie erscheinen Beiträge, in denen bekannte Ökonomen Erkenntnisse der Forschung durchweg verständlich darstellen.

Schwerpunkt der bisher abgedruckten Aufsätze: Ökonomie als Gesellschaftswissenschaft. Das dürfte kein Zufall sein; denn dieser Themenkreis hat einen starken Bezug zur Realität. Gerade hier scheint sich langsam die Einsicht durchzusetzen, daß sich mit Modellbastelei allenfalls im Kollegenkreis Lorbeeren ernten lassen. Und die gesellschaftlichen Veränderungen (oder die Versuche, die Gesellschaft zu verändern) bewegen nicht mehr nur die Marxisten unter den Wissenschaftlern. Gerade als Erfahrungswissenschaft kommt die Ökonomie – gleich welcher Couleur – um solche Fragen nicht mehr herum.

In 27 überwiegend von Professoren verfaßten Beiträgen wird ein sehr weiter Bogen gespannt. Das beginnt mit der Frage „Was ist die Aufgabe der Ökonomie?“ und führt über die Konzepte der (überwiegend als Kapitalismuskritik verstandenen) Politischen Ökonomie und der Wissenschaftstheorie zur Kritik an den klassischen ökonomischen Theorien. Besonders deutlich fällt dabei die Kritik an der lange als Nonplusultra dargebotenen Wachstumstheorie aus. Der letzte Themenkreis versucht zu schildern, was die Ökonomen zu einer ganzen Reihe von Schlagworten (wie Umweltschutz, Stagflation, Qualität des Lebens, Rätesystem, Marktwirtschaft) zu sagen haben.

Das Kontaktstudium bietet zweifellos mehr als eine bloße Zusammenstellung von Artikeln. Es legt Wert auf den Zusammenhang und gibt damit nicht nur einen Einblick, sondern auch einen Überblick. Es bietet eine kompetente und halbwegs verständliche Orientierung über die Probleme, die Nationalökonomen (und auch Betriebwirte) heute bewegen. Eine einfache Sonntagslektüre für den vielzitierten „interessierten Laien“ ist das Taschenbuch freilich nicht. Es ist vor allem denen zu empfehlen, die ihr leicht angestaubtes Lehrbuchwissen auf einen aktuellen Stand bringen möchten. smi