Von Werner Sonntag

Dieses Gespräch hat wirklich stattgefunden. Es sprach der Herr Fuchs zum Herrn Sonntag: „Sagen Sie, werden Sie auch so oft zur Zielscheibe vermeintlichen Witzes?“ Ich sagte: „Schon als ich erst sechs Jahre alt war, pflegte ein Lehrer, wenn er mich sah, zu grölen: ‚Alle Tage ist kein Sonntag. Und darüber ist die Witzelei auch später selten hinausgegangen.“ „Wie bei mir“, sagte Herr Fuchs, „,Fuchs, du hast die Gans gestohlen...‘ Wollen wir unsere Namen ändern?“

„§ 3. Ein Familienname darf nur geändert werden, wenn ein wichtiger Grund die Änderung rechtfertigt...“ (Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vom 5. Januar 1938, abgekürzt NÄG.)

Änderungen des Familiennamens werfen ein schwerwiegendes menschliches Problem auf. Eltern von erwachsenen Kindern, die den Namen ablegen wollen, „unseren ehrlichen Namen“, begreifen nicht, was ihre Kinder zu diesem Entschluß bewegen könnte. Einen schwierigen Familiennamen zu behalten, wirft aber nicht geringe menschliche Probleme auf.

In meiner Nachbarschaft hatte ich einem Beamten zum neuen Namen gratuliert. Sein alter Name war ein „Konsonantensteinbruch“; diesen Ausdruck hatte der inzwischen verstorbene Journalist Biedrzynski geprägt, den kein Mensch, auch er sich selbst nicht, so nannte, sondern der nur „Bie“ hieß.

Aus der Allgemeinen Verwaltungsverordnung (AVV) zum Namensänderungsgesetz (VIII, 2): „Ein ausländischer oder nicht deutsch klingender Name bildet an sich noch keinen wichtigen Grund für eine Namensänderung... Im übrigen kann eine wesentliche persönliche oder wirtschaftliche Behinderung durch die Schreibweise oder die Aussprache als wichtiger Grund für eine Namensänderung anerkannt werden. Hierbei genügt es, daß der Antragsteller die Behinderung glaubhaft macht.“

Herr Przybylowicz, Ortsbaumeister in meinem Wohnort, versicherte mir glaubhaft: „Ich kann mich an kein einziges Telephongespräch erinnern, in dem ein Mensch meinen Namen beim erstenmal richtig ausgesprochen hätte. Die Verballhornungen reichen bis zu ‚Slibowitz‘. Herr Przybylowicz klagte darüber, daß seine Gesprächspartner spürbar Hemmungen hatten, ihn anzureden; es sei für ihn jeweils geradezu eine Überraschung gewesen, wenn einer ihn, sei es mit falscher oder richtiger Betonung, namentlich angeredet habe.