Von Heinz-Günter Kemmer

Duisburg

Diesmal meint es die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen offenbar ernst. Nach mehreren mißlungenen Anläufen will sie am 27. März endgültig darüber entscheiden, ob der Ansiedlung eines Chemiewerkes der VEBA AG am linken Niederrhein grünes Licht gegeben wird.

Eingeweihte glauben zu wissen, wie sich das Kabinett in Düsseldorf entscheiden wird. Sie rechnen mit einem Ja, das jedoch mit einer Fülle von Auflagen verbunden sein wird. Die Umweltbelästigung soll auf ein Mindestmaß begrenzt werden – in Düsseldorf fürchtet man den Zorn des organisierten und unorganisierten Volkes.

Aber selbst mit einer positiven Entscheidung der Landesregierung ist der Hürdenlauf noch nicht beendet. Plötzlich haben nämlich auch die kalte Füße bekommen, die bisher als eifrige Betreiber des Projektes gelten. Der Planungsverband, Rheinberg, auf dessen Gebiet der Chemiekomplex entstehen soll, ist inzwischen mit sich selbst zerstritten, ob er weidenden Kühen oder der öldestillation den Vorzug geben soll.

Eben diesem Planungsverband hat das Land jetzt den Schwarzen Peter zugeschoben. NRW-– Minister Professor Fritz Halstenberg erklärte: „Es ist völlig ausgeschlossen, daß die Landesregierung versucht, auf die Willensbildung in den Gemeinden Einfluß zu nehmen.“

Bei der VEBA schlug dieser Äußerung Halstenbergs wie eine Bombe ein. In der Düsseldorfer Zentrale des Konzerns war man bisher immer davon ausgegangen, daß die Landesregierung das letzte Wort habe. Jetzt stellt sich heraus, daß die vier Gemeinden Rheinberg, Orsoy, Budberg und Borth über das Schicksal der VEBA-Raffinerie entscheiden.