Das Arbeitsgericht in Duisburg fällte kürzlich eine bemerkenswerte Entscheidung. Es verurteilte eine Textilfirma, rund 8000 Mark an ein Lehrmädchen zu zahlen, das wegen mangelhafter Ausbildung ein Lehrjahr wiederholen muß. Das . Mädchen, wollte Industiekaufmann werden und hatte bei der Firma einen dreijährigen Lehrvertrag abgeschlossen. Auf Anraten der örtlichen Industrie- und Handelskammer kündigten die Eltern nach zweijähriger Lehre das Lehrverhältnis. In einem anderen Betrieb, in dem das Mädchen die Lehre fortsetzen wollte, mußte es ein Lehrjahr wegen mangelnder Kenntnisse wiederholen. Wegen dieses verlorenen Jahres klagten die Eltern im Namen des Mädchens gegen die Firma auf Schadenersatz.

In dem folgenden Auszug aus dem Urteil wird das Mädchen als Klägerin bezeichnet. Die Textilfirma ist die Beklagte. In dem Urteil heißt es:

„Die Beklagte hat die Klägerin unzulänglich ausgebildet. Der Ausbildungsberater der Industrie- und Handelskammer, der nur zwei Besuche bei der Beklagten gemacht hat, hat beobachtet, daß die Klägerin alleine mit einer anderen Auszubildenden im Büro saß und sich selbst überlassen war. Auch habe kein Ausbildungsplan existiert. Herr X, der von der Beklagten als Ausbilder angegeben war, habe gesagt, er sei wenig da, weil er im Versand sei. Bezüglich der Ausbildung sei nie eine Klarstellung erfolgt, obgleich er darauf gedrängt habe. Frau Y, die kein Abschlußzeugnis hat und in der Firma den Versand leitete, hatte nach ihrer eigenen Erklärung mit der Klägerin ausbildungsmäßig weniger zu tun. Auch das Berufsbild für den Lehrberuf der Klägerin war ihr unbekannt.

Zur intensiven Ausbildung war sie auch nicht in der Lage. Zwar war sie täglich etwa ein bis zwei Stunden mit der Klägerin zusammen, konnte sich aber allenfalls minutenweise mit der Klägerin beschäftigen. Zu einer Beanstandung kam es deshalb, weil die Beklagte die Klägerin, die während der Betriebsferien eingestellt wurde und zunächst im Versind eingesetzt war, an einer Bügelpresse arbeiten sollte. Die Klägerin sollte somit fehlende Arbeitskräfte ersetzen. Schon dieser Umstund widerspricht dem Charakter einer Ausbildung. Die Tätigkeit an der Bügelpresse läßt sich im Durchlauf erklären, denn sie hat nichts mit dem Aufgabengebiet eines Industriekaufmanns zu tun. Die Arbeit an der Bügelpresse wird von Facharbeiterinnen verrichtet.

Zwar hat Frau Y erklärt, die Klägerin sei ordnungsgemäß ausgebildet worden. Diese Aussage wird schon widerlegt durch die Beschäftigung der Klägerin an der Bügelpresse, dadurch, daß die Zeugin das Berufsbild der Klägerin gar nicht kennt und noch nie Lehrlinge ausgebildet hat. Die Zeugin wußte nicht einmal zu sagen, ob die Klägerin Kenntnis von den Herstellungsverfahren der verwandten Materialien hatte. Sie hatte nicht einmal Einzelheiten der angeblich ordnungsgemäßen Ausbildung beobachtet, Sie hat weder von Herrn X noch dem Geschäftsführer jemals Weisungen bezüglich der Ausbildung erhalten.

Der andere Ausbilder, Herr Z, hat ausgesagt, er habe die Klägerin nur in einem geringen Umfang ausgebildet. Er hat ausdrücklich erklärt, von einer direkten Ausbildung durch ihn könne man gar nicht reden. Auch hat dieser Zeuge nie von einem Geschäftsführer der Beklagten bestimmte Weisungen bezüglich der Ausbildung erhalten. Die Klägerin schrieb für ihn einfache Schreiben nach Diktat. Sie erfuhr nichts über Werbung, Absatzmarkt, Konkurrenz, Verkauf, Einkauf, Werkstoffe, Herstellungsverfahren oder Finanzbuchhaltung. Auch von dem Lohnwesen und von Akkorden lernte die Klägerin nichts.

Lediglich das Wissen einer Kontoristin wurde ihr eingeübt, wie z. B. Kontrolle und Eintragung von Warenrechnungen, Ausstellung von Schecks, Eintragungen im Wareneingangs- und Ausgangsbuch, Führung der Kassen für Personalverkäufe und Tageskasse, Schreiben von Frachtbriefen und die Ablage.