Deutschlands Reeder fordern von der Bundesbank und der Bundesregierung eine Modifizierung des Bardepots-Gesetzes. Ihre Ausnahmesituation, so die Reeder, zeigt sich jetzt wieder in den Auswirkungen der Währungskrise. Welche Probleme müssen die Reeder lösen?

  • Die Dollarabwertung wurde von der deutschen Wirtschaft im großen und ganzen positiv bewertet. Die Reeder waren aber offensichtlich über die Paritätsänderung nicht glücklich. Welche Gründe gibt es für dieses negative Echo?

Trulsen: Da fast die gesamten Erträge der Seeschiffahrt auf Dollarbasis beruhen, ergibt sich in Mark umgerechnet eine der Dollarabwertung entsprechende Mindereinnahme. Da sich zudem der „Second-Hand“-Markt (Markt für gebrauchte Schiffe) auf Dollar-Basis abspielt, erleidet die gesamte Flotte – in Mark ausgedrückt – einen, erheblichen Substanzverlust. Inwieweit sich auf dem Weltmarkt eine Korrektur der Dollarpreise durch die Dollarabwertung ergibt, bleibt abzuwarten. Schließlich: Durch die in der Regel gegebene Mark-Verschuldung der deutschen Reeder ergeben sich in Zukunft, in Dollar ausgedrückt, eine höhere Verschuldung und entsprechend höhere: Zinskosten. Insgesamt gesehen ist die Schiffahrt damit der von der Abwertung am stärksten betroffene Wirtschaftszweig.

  • Gibt es irgendwelche Möglichkeiten, im voraus Ertragsrückgänge als Folge von Wechselkursänderungen abzusichern?

Trulsen: Eine Absicherung des Währungsrisikos wäre zum Teil möglich durch eine Verschuldung in der Währung, in der die Einnahmen den Reedereien zufließen. Hierzu müßte aber das Bardepot-Gesetz geändert werden, eine Änderung ist im letzten Jahr am Widerstand des Bundesbankpräsidenten gescheitert. Ferner müßten die für die Exporteure geschaffenen Wechselkurs-Versicherungen auch auf die Belange der Reedereien abgestellt werden. Natürlich sind derartige Wechselkurs-Versicherungen immer nur für einen befristeten Zeitraum wirksam, dagegen eine langfristige Verschuldung auf Dollarbasis für einen entsprechend längeren Zeitraum.

  • Gibt es im internationalen Schiffahrtsgeschäft Wäbrungsklauseln?

Truhen: Im allgemeinen nicht. • Ist die Konkurrenz am Nicht-Dollar-Ländern den Deutschen gegenüber begünstigt? Trulsen: Die Konkurrenz aus Nicht-Dollar-Ländern ist den Deutschen gegenüber insoweit begünstigt, als diese Länder: ganz oder teilweise bei der Abwertung mitgezogen haben (zum Beispiel Griechenland, Schweden, Finnland).