Die Pariser Vietnam-Konferenz endete am Freitag nach fünftägiger Dauer mit der Unterzeichnung der Schlußakte durch die Außenminister der zwölf Teilnehmerstaaten. Bei schwerwiegenden Bedrohungen „der Unabhängigkeit, der Einheit, der Souveränität oder der territorialen Integrität Vietnams“, so heißt es in Artikel 7 des Dokuments, kann die Konferenz wieder einberufen werden – und zwar entweder auf gemeinsamen Antrag der Vereinigten Staaten und Nordvietnams oder auf Initiative von mindestens sechs anderen Unterzeichnerstaaten.

Damit hat die Vietnam-Konferenz sich selber zum Schiedsrichter über künftige Verletzungen der Waffenruhe erklärt. Am ersten Konferenztag hatte Kanadas Außenminister Sharp vorgeschlagen, daß der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Waldheim, die Rolle einer solchen Schiedsinstanz übernehmen solle. Doch Waldheim geriet im Verlauf der Tagung zunehmend in eine Außenseiterposition; er unterzeichnete auch nicht.

Maßgebend dafür war außer dem Widerstand der Kommunisten gegen eine aktive Rolle des UN-Generalsekretärs auch die Sorge der anderen Konferenzteilnehmer, die UNO könnte in jeden Konflikt zwischen den ehemaligen Kriegsparteien hineingezogen werden.

Die Schlußakte ist ein Kompromiß zwischen den Vereinigten Staaten und Nordvietnam. Die Kommunisten wollten ursprünglich überhaupt keinem Modus für die mögliche Wiedereinberufung der Konferenz zustimmen. Sie wollten jeden zusätzlichen Einfluß verhindern, der über die Kompetenzen der fortbestehenden internationalen Überwachungskommission (Kanada, Polen, Ungarn, Indonesien) hinausreicht.

Auf der anderen Seite haben die Amerikaner (und unter ihrem Einfluß auch Südvietnam) sich bereit erklärt, den Vietcong als Mitunterzeichner der Schlußakte anzuerkennen. Art. 9 hebt aber ausdrücklich hervor, „daß die Unterschriften keine gegenseitige Anerkennung der Unterzeichner darstellen“.

Außenminister Rogers nannte den Kompromiß befriedigend. Der Weg für einen erfolgreichen Abschluß der zeitweilig gefährdeten Konferenz war frei geworden, nachdem Schwierigkeiten in der Frage der Gefangenenfreilassung überwunden waren. In den letzten Tagen kehrten aus den Händen der Nordvietnamesen und des Vietcong 136 Amerikaner und die beiden deutschen Malteser-Helfer Monika Schwinn und Bernhard Diehl, die 1969 gefangen genommen worden waren, in die Freiheit zurück.