Das Kohlenmonoxid (CO) ist als farbloses, geruchloses und giftiges Gas eines der gefährlichsten Umweltgifte. Jedes Jahr werden davon 400 Millionen Tonnen aus Fabriken und Autos in die Atmosphäre geblasen. Der Großteil des CO-Gehaltes der Luft, nämlich 90 Prozent, entstammen freilich nicht den Menschheitsabgasen, sondern werden von der Natur selbst produziert; es sind nicht weniger als drei Milliarden Tonnen jährlich.

Diese Zahlen veröffentlichte jetzt das kalifornische Stanford Research Institute (SRI). Dort hatte sich ein Forscherteam unter der Leitung von Robert Robbins drei Jahre lang mit der Frage nach der Herkunft des Atmosphären-Kohlenmonoxids beschäftigt. Die Wissenschaftler, die von 1967 bis 1970 auf der ganzen Erde Messungen der CO-Konzentrationen ausführen ließen, berechneten einen durchschnittlichen Gehalt von 600 Millionen Tonnen CO in der gesamten Atmosphäre. Sie ermittelten auch, daß Kohlenmonoxid in der Luft eine „Lebenszeit“ von etwa zwei Jahren besitzt; diese-Aussage basierte auf Messungen der Zerfallszeit von CO, das ein radioaktives Kohlenstoffisotop enthielt.

Wenn das CO in der Atmosphäre so relativ unbeständig ist, folgerte Robbins aus diesen Berechnungen, dann muß es auf der Erde eine bisher unbekannte Gasquelle geben, die den notwendigen Nachschub liefert; das von der Menschheit produzierte CO reicht dazu bei weitem nicht aus. So kam der Wissenschaftler auf den Gedanken, daß das in den Sümpfen und Marschländern produzierte Methan (CH4) der Übeltäter sein könnte. Etwa 1,6 Milliarden Tonnen dieses „Marschgases“ entstehen dort jedes Jahr durch Pflanzenverwesung und werden in die Atmosphäre abgegeben. Das CH4 wird in der Luft in CO umgewandelt – ein Prozeß, bei dem drei Milliarden Tonnen Kohlenmonoxid entstehen.

Trotz der Riesenmengen CO, die jedes Jahr in die Atmosphäre entlassen werden, blieb die Konzentration des Gases über die letzten Jahrhunderte ungefähr konstant; sie beträgt 0,1 Einheiten CO pro eine Million Einheiten anderer Gase. Robbins entdeckte in Luftblasen, die in Eisblöcken eingeschlossen waren und bis zu 2000 Jahre als waren, daß der CO-Gehalt der Luft damals derselbe war wie heute.

Auf welche Weise das Kohlenmonoxid in der Atmosphäre immer wieder abgebaut wird, konnte Robbins’ Team ebenfalls rekonstruieren. Ein sogenanntes Hydroxyl-Radikal, das schon CH4 in CO verwandelt, oxidiert dann später auch das Kohlenmonoxid zu Kohlendioxid (CO2). Mikroorganismen in der Erdoberfläche, wie etwa Pilze, erfüllen dieselbe Umwandlungsfunktion. So dürfte nach Robins’ Schätzung die Oberfläche der USA in der Lage sein, der Atmosphäre 600 Millionen Tonnen CO zu entziehen.

Wenn auch der Anteil von Industrie- und Auto-CO am gesamten Kohlenmonoxid der Atmosphäre relativ gering ist, so kann doch dieses Verhältnis in abgegrenzten Gebieten der Erde viel ungünstiger sein. In manchen Städten liegt der Anteil des vom Menschen produzierten CO bis zu tausendmal höher als der durchschnittliche Atmosphärenwert. Wer diese Luft einige Stunden lang atmet, bekommt mit Sicherheit Kopfweh. Steigt die Konzentration noch wesentlich an, kann sie sogar tödlich wirken. R. N.