Im Jahre 1890 fand bei Wounded Knee („Verletztes Knie“) an der „Biegung des Flusses“ – so der Titel eines Erfolgsromanes über das Schicksal der Indianer – im amerikanischen Bundesstaat Süddakota eines der letzten Gefechte zwischen Indianern und weißen Soldaten statt. 146 Sioux und 31 Kavalleristen starben. Am Dienstag vergangener Woche nahmen rund 200 Indianer vom Stamme der Ogallalah-Sioux den kleinen Außenposten im heutigen Indianerreservat Pine Ridge ein und verschanzten sich mit elf Geiseln in der Dorfkirche (gaben aber die Geiseln am Freitag frei).

In Verhandlungen mit den Senatoren McGovern und Abourezk verlangten sie von den Behörden, sich endlich ernsthaft um das Los der indianischen Minderheit zu kümmern, und jene 371 Verträge zu überprüfen, die zwischen Washington und den Stämmen geschlossen und von der Regierung immer wieder gebrochen worden seien. 250 IBI-Beamte riegeln seitdem die Siedlung ab.

Trotz einiger Schußwechsel ist die Belagerung bisher unblutig verlaufen. Am Montag verwarfen die Indianer ein „Friedensangebot“ – freier Abzug, keine Massenverhaftungen. Sie bereiten sich jetzt auf Verhandlungen in einem Tepee (Indianerzelt) vor, das im Niemandsland zwischen Ortschaft und Belagerungsring errichtet worden ist.

Von den rund 800 000 Indianern in den USA (etwa 0,5 Prozent der Bevölkerung) leben 488 000 aus 263 registrierten Stämmen in Reservaten. Sie und ihre in die Städte abgewanderten Stammesbrüder gehören zu den am meisten benachteiligten sozialen Gruppen. Um auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen, landeten im November 1969 Aktivisten des American Indian Movement (AIM) auf der Gefängnisinsel Alcatraz in der Bucht von San Francisco und erklärten sie zum Indianerterritorium. Drei Jahre später „eroberten“ mehrere hundert Indianer das Büro für Indianerangelegenheiten in Washington und richteten dabei einen Millionen-Sachschaden an.

Der Besetzung von Wounded Knee gingen Unruhen in den Städten Rapid City und Custer vorauf. Dort hat nach Meinung der Indianer die Justiz einen Weißen, der einen Indianer getötet hatte, viel zu milde bestraft. Die Indianer verlangen aber nicht nur Gleichheit vor dem Gesetz. Sie wollen vor allem mehr Selbstverwaltung für ihre Reservate, fordern jedoch zugleich, durch Maßnahmen der Bundesregierung einen Lebensstandard garantiert zu erhalten, der dem Existenzminimum der Weißen entspricht.

Ungeklärt – auch unter den Indianern – ist dabei, ob sie stärker integriert oder als kulturell-ethnologische Minderheit gefördert werden sollten.