Die Rechtsprechung deutscher Gerichte in Sachen Reise ließ in jüngster Zeit die Touristen Hoffnung schöpfen: Die berüchtigte Vermittlerklausel wurde zu Fall gebracht (siehe auch ZEIT Nr. 9 „Die Veranstalter haften“), die Verantwortung der Reiseveranstalter klar und eindeutig umrissen.

Jetzt hat die 1. Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt die Szene wieder verwirrt. In einem kürzlich ergangenen Berufungsurteil, in dem der Anspruch auf 470 Mark Schadenersatz für nicht fertiggestellte Teile einer Hotelanlage (Swimming-pool, Snackbar, Sauna und Minigolfplatz) bestätigt wurde, hat die Kammer zugleich aber auch Skandalöses im Umgang mit Touristen für zulässig erklärt.

Ein Reiseveranstalter – so ist da zu lesen – könne selbstverständlich auch solche Hotels anbieten, in deren Nachbarschaft gebaut werde (es handelte sich um Sprengarbeiten), es bestehe für ihn auch keine Verpflichtung, die Reisenden vor Reiseantritt von derartigen Baustellen in Kenntnis zu setzen. In großen Feriengebieten sei Baulärm selbstverständlich, im übrigen sei die Hellhörigkeit moderner Hotels allgemein bekannt und müsse in Kauf genommen werden.

Noch selten hat sich ein deutsches Gericht in solch arroganter Manier über die primitivsten Regeln sozialen Verhaltens hinweggesetzt. Ein Trost nur, daß es andernorts einsichtigere Richter gibt. F. R.