Die Regierungen der Europäischen Gemeinschaft und des „Zehnerklubs“ (das sind die wichtigsten westlichen Industrieländer) versuchen in einer Konferenzserie, der neuen Währungskrise Herr zu werden.

Nur zwei Wochen nach der Dollarabwertung um zehn Prozent fluteten neue Spekulationsmilliarden nach Deutschland. Die Bundesbank mußte allein am vorigen Donnerstag 2,6 Milliarden Dollar aufkaufen, um die Leitwährung am untersten Interventionspunkt von 2,8350 Mark zu stützen.

Von Freitag letzter Woche an blieben die Devisenbörsen in der Bundesrepublik geschlossen, um weitere spekulative Mark-Aufkäufe zu verhindern. Zugleich setzte die Bundesbank die Mindestreserven drastisch herauf. Die Kreditinstitute müssen 15 Prozent mehr an Sicht- und Termineinlagen bei der Bundesbank stillegen. Dadurch sollen die inflationsfördernden Geldzuflüsse wenigstens zum Teil neutralisiert werden.

Der Ministerrat der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel konnte sich nicht auf eine „europäische Lösung“ der Währungskrise einigen. Die Bundesregierung hatte auf ein gemeinsames Floaten gehofft – die Freigabe der Wechselkurse gegenüber dem Dollar bei fortbestehenden festen Kursen innerhalb der Gemeinschaft. Den Vereinigten Staaten würde diese Regelung entgegenkommen, weil eine weitere De-facto-Abwertung des Dollar die eigenen Exporte erleichtern und die passive Handelsbilanz verbessern müßte.

Den größten Widerstand gegen ein gemeinsames Floaten leisten die Engländer. Der britische Schatzkanzler Barber verlangt als Voraussetzung einer britischen Kooperation den finanziellen Beistand der übrigen europäischen Währungen – also vor allem der Mark – für das Pfund: ohne Begrenzung, ohne Garantie- und Rückzahlungspflicht und teilweise ohne Verzinsung. Italiens Finanzminister Malagodi stellte für die Lira, die schon seit dem 13. Februar floatet, ebenfalls Bedingungen, die ein gemeinsames europäisches Handeln erschweren.

Bundesfinanzminister Helmut Schmidt deutete an, daß die Bundesrepublik notfalls allein werde floaten müssen. Dies würde eine De-facto-Aufwertung nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern auch gegenüber anderen Währungen bedeuten, die jetzt noch in einem festen Wechselkurs zur Mark stehen. Die deutschen Exporte hätten dann härter zu kämpfen, als bei einer europäischen Übereinkunft. Es wird aber erwartet, daß sich zumindest die Benelux-Staaten einer Freigabe des Wechselkurses von deutscher Seite anschließen würden.

Ein europäischer Konsensus ist auch dadurch erschwert worden, daß sich in Frankreich offensichtlich ein Gesinnungswandel vollzogen hat. Finanzminister Giscard d’Estaing galt noch in der letzten Dollarkrise als Anhänger des Gemeinschafts-Floatens. Jetzt äußerte er: „Die Möglichkeit einer neuen Aufwertung des Franc gegenüber dem Dollar schließe ich aus.“ Bis zum Montag ist Paris außerdem durch die Unsicherheit über den Wahlausgang gebunden.

Die Währungskrise überschattete in der letzten Woche den Bonner Besuch des britischen Premierministers Heath.