Von Wolf gang Werth

Im Sommer 1969 begab sich die Schriftstellerin Christa Wolf auf außerliterarische Experimentierfelder. Sie fuhr nach Gatersleben bei Quedlinburg, besichtigte das dortige Institut für Kulturpflanzenforschung und führte intensive Gespräche mit dessen Direktor, dem Genetiker Professor Hans Stubbe. Darüber hat sie einen Bericht geschrieben. Er ist in dem Band

Christa Wolf: „Lesen und Schreiben“, Aufsätze und Prosastücke; Sammlung Luchterhand 90, Hermann Luchterhand Verlag, Darmstadt/Neuwied; 220 S., 9,80 DM

nachzulesen. Obwohl er scheinbar mit dem Themenkreis „Lesen und Schreiben“ wenig zu tun hat, nimmt er einen wichtigen Platz in diesem Buch ein. Er bildet gemeinsam mit dem Titelessay dessen plädoyerhaften Haupt- und Schlußteil.

Im Gegensatz zu vielen anderen Kollektionen „vermischter Schriften“ ist „Lesen und Schreiben“ kein Sammelsurium. Das verdient deshalb hervorgehoben zu werden, weil diese Texte – sie entstanden zwischen 1964 und 1972 – offenbar ausnahmslos als Auftrags- oder Gelegenheitsarbeiten geschrieben wurden. Die Anlässe und Zweckbestimmungen waren recht unterschiedlich.

Man findet in dem Band unter anderem eine Rede zum fünfzehnten Jahrestag der DDR-Gründung, eine Stellungnahme zum Vietnam-Krieg und einen Kommentar zu sowjetischen Kriegsphotos aus dem Jahre 1941.

Nach ihrem „entscheidenden Kunsterlebnis befragt, schrieb Christa Wolf die Marginalie „Brecht und andere“.