Zwar präsentierte die Bremer Treuhand kürzlich den ersten bankgarantierten Sechsprozenter; eine Barausschüttung, die durch Einkommensteuervorteile – je nach Steuerprogression – auf eine Gesamtrendite von maximal 18 Prozent hochkatapultiert werden kann. Doch sind das Ausnahmen. "Das war uns nur möglich, weil wir erstklassige Vertragskonditionen mit erstklassigen Mietern (Dresdner Bank, Otto-Versand, Quelle, Klöckner) abschließen konnten", meint Fonds-Chef Adolf Darjes, "sechs Prozent sind normalerweise nicht mehr drin."

Grundstücke in entsprechenden Citylagen sind meist so teuer geworden, daß auch die höheren Mieteinnahmen keine ausreichende Verzinsung des eingesetzten Kapitals mehr ermöglichen. Halten die Erlöse aber nicht Schritt mit der Inflationsrate, schrumpft auch der ertragsabhängige Verkehrswert der Grundstücke.

Tatsächlich ist inzwischen eingetreten, was jahrelang unmöglich schien: Discountpreise für Neubauten sind kein Tabu mehr. Es wird gehandelt "... wie bei den Pferdehändlern" (RWI-Fondschef Klaus-Peter Flößer). Die Zeche zahlen die Fondsanleger. Im Glauben, daß gut sein muß, was sich bewährt hat, achten sie häufig nicht auf die "Adresse" des Anbieters und auf eine hieb- und stichfeste Rentabilitätsabrechnung. Die Folge: Bauverzögerungen, Vermietungsschwierigkeiten, Steuerprobleme, Rechtsstreitigkeiten.

"Was sich hier anbahnt", warnte Ludwig Poullain bereits vor Monaten, "trägt zum Teil den Keim einer Krise in sich, wie sie sich bei den Exotenfonds abgespielt hat." Da die Tätigkeit der Fondsinitiatoren keinerlei Kontrolle unterliegt, tummeln sich unerfahrene Glücksritter und dubiose Geschäftemacher zum Schaden der Anleger auf dem Markt:

  • So fielen die Zeichner des Kröpcke-Fonds "Hannover-Center" – "ein Juwel unter den wenigen seriösen Beteiligungsgesellschaften" (Robert Stromberg von der Stadtsparkasse Hannover) – auf Werbe-Inserate herein, die ihnen eine steuerfreie Barausschüttung von sechs Prozent verspra-
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chen. Tatsächlich aber erhalten sie nur fünf Prozent bis voraussichtlich Mitte 1975, die aber voll versteuert werden müssen.

  • Die Initiatoren des Immobilienfonds "Fachhochschulzentrum München" machen zumindest selber ein Bombengeschäft. Sie gewähren sich aus der Fondskasse ein Millionenhonorar (fünf Prozent Agio auf 28 Millionen Zeichnungskapital und noch einmal fünf Prozent auf die gesamten investierten Mittel – inklusive Fremdkapital in Höhe von 70 Millionen Mark plus Mehrwertsteuer). Auch danach geht es in die Vollen: Laut Geschäftsbedingungen dürfen sie sechs Prozent der Jahreseinnahmen kassieren – plus Mehrwertsteuer.