Die Währungskrise hat böse Wirkungen. Auf beiden Seiten des Atlantik wandeln die Protektionisten am Rande eines Handelskrieges.

Am kommenden Sonntagabend werden die europäischen Politiker das Koordinatensystem kennen, in dem sie zu entscheiden haben, wie sie mit den Folgen der Dollarkrise fertig werden wollen. Am vergangenen Sonntag sicherten sie sich mit viel Geschick noch einmal eine Galgenfrist.

Die Franzosen waren verständlicherweise an einem Aufschub bis zum zweiten Wahlgang der Wahlen zur Nationalversammlung interessiert. Sie haben das freilich nicht so deutlich gesagt. Ihr Ziel haben sie dadurch erreicht, daß sie ihre acht Partner davon überzeugten, wie wichtig vor einer Entscheidung doch noch eine Begegnung mit den Amerikanern sei.

Ihnen sollte mit aller Deutlichkeit klargemacht werden, daß Washington nicht die Hände in den Schoß legen darf, wenn es um die Verteidigung des Dollars geht. Niemand hat widersprochen. Alle hatten für Giscards Wünsche Verständnis.

Am nächsten Sonntagabend ist vieles anders. Die Minister werden wissen, wie stark die neue französische Regierung ist. Sie werden die Reaktion der Amerikaner auf die französische Ermahnung kennen. Dann hilft kein Finassieren mehr. Nach zehn Tagen mit geschlossenen Devisenbörsen kann sich dann niemand mehr um eine Entscheidung herumdrücken. In der Nacht vom Sonntag zum Montag stehen die Finanzminister der Europäischen Gemeinschaft unter Zugzwang.

Die Vernunft fordert als Übergangslösung bis zur Heilung des amerikanischen Defizits in der Zahlungsbilanz den Entschluß zum gemeinsamen europäischen Floaten gegenüber dem Dollar. Aber wer dürfte schon hoffen, daß die Minister dem gesunden Menschenverstand folgen?

Anthony Barber, der britische Schatzkanzler, hat schon vorgebaut. Er hat die Bedingungen, unter denen England zum Mitmachen bereit wäre, so hoch geschraubt, daß insbesondere die wirtschaftlich starken Länder auf die Teilnahme Englands besser verzichten. Kein Wunder, daß deutsche Delegationsmitglieder Barbers Auftritt als getarnte Absage interpretierten.