Er war Wiener, aber einer, den nicht Oper und Hofbälle, auch nicht das neue Wien, das scharfzüngige des André Heller zum Beispiel, halten konnte, wo es um Geschäfte ging. Herbert-Maria Maar, Unternehmensberater, zog hinaus in die norddeutsche Tiefebene, wo er seine Chance fand; doch nicht das ganze Glück, denn dazu gehörten für ihn auch zwei Schneebretter. Da reifte in ihm der Plan (denn er war auch ein Idealist), im Norden einen Lift zu bauen (im Miniformat natürlich). Und in der Tat: Skigymnastik, bisher einzige Trainingsmöglichkeit für Flachländer, hat viel für sich, aber einen Weltcupsieger hat, soweit bekannt, solch hüpfendes Training noch nicht hervorgebracht.

Der idealistische Wiener suchte nach einer geeigneten Erhebung und fand sie bei Hamburg: beachtenswerte 60 Meter über dem nahen Meeresspiegel. Dort setzte er die Planierraupe an, baute Lift, Piste, Schutzhütte und Gastwirtschaft, holte sogar Skilehrer, aus Österreich und wartete. Wartete auf genau 18 schneereiche Tage, die den Hanseaten die bis dato entbehrten Skifreuden und ihm, so hatte er kalkuliert, Gewinn bringen sollten.

Doch der Wiener wartet heuer schon das zweite Jahr. Bis jetzt läuft nur die Wirtschaft, der Lift aber steht so still wie am ersten Tag. Denn über Hamburgs Piste – auf der, wer langstemmt, runde sechs, wer kurzschwingt, stolze 20 Bögen fahren könnte – liegt seit Wochen ein tiefer nordischer Himmel, der Wind bläst niederschlagsfrei in den Föhren, und statt Skispuren im Schnee gibt es nur Hufspuren, Sand.

Hat also der Wiener mit Herz für die Flachländer, der tüchtige Unternehmensberater, sich bei der eigenen Unternehmung schlecht beraten? Hat er runde 60 000 Mark in den Heidesand gesetzt? Er, der Optimist, meint nein, will sogar noch mehr investieren, allerdings nicht in die Natur, die ihn so schnöde im Stich gelassen. Dieses Mal setzt er auf Kunst, will sagen: auf eine Kunststoffpiste mit künstlicher Beleuchtung.

Doch neue Hindernisse türmen sich auf: Jetzt spielt die Stadt nicht mehr mit. Ihr ist der behördliche Geduldsfaden gerissen, obwohl doch gerade sie ihren bleiernen Himmel kennen sollte. Und auch der Landesskiverband, jawohl, das gibt es auf dem platten Land, legt sein Veto ein (Kunststoffpisten seien zu gefährlich) und plädiert für Gras-Ski, denn da hat er das Monopol: er verleiht die nötigen Spezialski.

Bei diesem Gerangel, man sieht es mit Bedauern, bleibt die Sport-Demokratie auf der (Lift)Strecke. Melancholisch könnte man werden. Oder zum Protestler: Zumindest in der Skibildung hat Bayern seine Nase vorn. Von Chancengleichheit keine Rede. B. v. J.