Mit seiner Anti-Inflationspolitik stößt Heath nun auch auf die Kritik der Unternehmer

Stärker als erwartet greift die Phase II der britischen Anti-Inflationspolitik in die Preis- und Gewinnpolitik der Unternehmen ein. Das geht jedenfalls aus dem Green Paper hervor, in dem die Verfahrensregeln für die Kontrollkommissionen, dem Pay Board und dem Price Board erstmals detailliert festgelegt werden. Dies wird freilich davon abhängen, wie strikt diese Regeln angewandt werden. Denn in weiter. Bereichen – vor allem auf der Preisseite – sind Ausnahmen ins Ermessen der Kommission gestellt.

Wenig Modifikationen gegenüber dem Gesetzesentwurf zur Phase II, der jetzt in parlamentarischer Bearbeitung ist, weist das 30 Seiten starke Grüne Papier in bezug auf die Lohnkontollen aus. Ein Pfund plus vier Prozent, höchstens aber 250 Pfund pro Kopf und Jahr, bleibt die maximal zulässige Lohnerhöhung.

Ausnahmen gibt es nur in speziellen Fallen. So dürfen langfristige Tarifverträge, die vor dem 6. November abgeschlossen wurden, auch in der Phase II realisiert werden. Und Lohnerhöhungen für Frauen, die die gesetzte Grenze überschreiten, werden zugelassen – freilich darf die Differenz zu den Durchschnittslöhnen der Männer nur um höchstens ein Drittel verringert werden. Ausgenommen von den Kontrollen sind zudem neue Urlaubsregelungen – wenn sie nicht über drei Wochen hinausgehen. Firmenbosse können allerdings die Lohnkontrollen umgehen – wenn die Verdienstaufbesserung mit einer Beförderung verbunden ist. Renten, Entlassungsgelder und Einkünfte. aus schon bestehenden Gewinnbeteiligungsverträgen sind gleichermaßen dem strengen Auge des Pay Board entzogen.

Kapitaleinkommen hingegen sind begrenzt. So darf keine Firma Dividenden auszahlen, die mehr als fünf Prozent höher liegen als im Vorjahr

Während diese Regeln etwa den Erwartungen entsprechen, gab es bei den Details der Preiskontrollen einige Überraschungen. Alle Preise bleiben im Prinzip eingefroren, wobei diesmil – als Konzessionen an Gewerkschaften und Labour-Opposition – auch die halb verarbeiteten Lebensmittel wie Butter, Zucker und Tiefkühlprodukte eingeschlossen werden.

Das Prinzip des Preisstopps darf nur gebrochen werden, wenn für die Produzenten unvermeidliche Kostensteigerungen anfallen. Als unvermeidlich gelten teurere Rohmaterialien, Löhne, Betriebsstoffe, Mieten und Zinsen. Freilich können die Unternehmen nur die Kostensteigerungen berücksichtigen, die nach dem 1. Oktober anfielen. Dieser Punkt stieß denn auch auf die Kritik der britischen Bosse: Die CBI – der britische Industriellenverband – beklagte sich, daß damit alle Betriebe bestraft würden, die sich an die freiwillige Beschränkung auf Preisanhebungen von höchstens fünf Prozent gehalten hatten, die seit über einem Jahr erstaunlich diszipliniert praktiziert wurde.