Ein paar Tage lang stand die Katholische Synoden-Kommission im Ruf, Vortrupp des modernen Katholizismus zu sein. Sie hatte mit einem Zitat Schlagzeilen gemacht. Der Parteiname „christlich“, so war in einem Papier der Kommission zu lesen, könne nicht bedeuten, „daß nur eine solche Partei christliche Grundsätze berücksichtigt. Ebensowenig bedeutet ja das Wort sozial oder demokratisch im Parteinamen, daß nicht auch andere Parteien soziale oder demokratische Ideen zu verwirklichen suchen.“ Dieses Zitat schien eine Abkehr von der einseitigen Bindung der katholischen Kirche an CDU und CSU anzukündigen. Der Wunsch inspirierte wohl diese Interpretation.

Das Papier der Synodenkommission enthält zwar diesen einen, überbewerteten Allgemeinsatz, aber zusätzlich sehr viele Begründungen, Warum die Kirche zur Union engere Bindungen hat und behalten wird als zu anderen Parteien. Überdies findet sich in dem Papier der deutliche Satz: „Die doppelte Bewegung kirchlicher Weltzuwendung und zunehmender allgemeinpolitischer Breite der Programme überkonfessioneller christlicher Parteien bedeutet nicht, daß die wechselseitige Verbindung zwischen Kirche und christlicher Partei verlorengeht.“ Wohlgemerkt: von Verbindung ist hier die Rede. Mit den anderen Parteien sucht die Kirche nicht Verbindung, sondern Zusammenarbeit.

Ein vollmundiger Kommissionssatz bedeutet noch nicht, daß die Kirche ihr Sonderverhältnis zur Union preisgibt. N.