Die Dollar-Abwertung, die Steuererhöhungen sowie die neue Währungskrise haben eine Korrektur der Gewinnschätzungen für 1973 notwendig gemacht. Vor vier Wochen ging man in Kreisen der Wertpapieranalysten noch von einer Gewinnsteigerung von 20 Prozent aus, jetzt rechnet man nur noch – auf das Aktienkapital bezogen – mit einem Anstieg der Unternehmensgewinne von 10 bis 12 Prozent. So lauten jedenfalls die Schätzungen der als Research-Abteilung der Deutschen Bank fungierenden Degab. (Deutsche Gesellschaft für Anlageberatung mbH.)

Branchenmäßig werden sich die Gewinne natürlich unterschiedlich entwickeln. Die Debag schätzt, daß es bei der Elektroindustrie Gewinnsteigerungen um 10 bis 15 Prozent geben wird. Bescheidenes Gewinnwachstum (um 5 bis 8 Prozent) ist bei den Kaufhäusern, Pharmafirmen, Versorgungsbetrieben und Automobilfabriken zu erwarten.

Wie wenig indessen Gewinnerwartungen bei der Kursbildung ausschlaggebend sind, hat der Monat Februar bewiesen. Natürlich mußten VW-Aktien einen harten Rückschlag hinnehmen. Kein anderes Unternehmen wird von dem Währungsdebakel härter getroffen als das Volkswagenwerk. Auf der anderen Seite konnten BMW-Aktien trotz der schwächeren Börsenverfassung noch einige Punkte aufholen; Daimler-Aktien erwiesen sich als bemerkenswert stabil. Widerstandsfähig blieben auch die Versorgungswerte. Die deutschen Stromversorger blieben von Währungssorgen frei. In der gegenwärtigen Börsensituation gelten sie als defensive Anlagepapiere und wurden von einigen Investmentfonds deshalb bevorzugt.

Deutlich gedrückt waren wieder die Bank-Aktien. Das Kreditgewerbe ist der Prügelknabe der deutschen Stabilitätspolitik. Durch den ständig zunehmenden Entzug von Liquidität wird die Zinsmarge weiter eingeengt. Inwieweit der flotte Devisenhandel Ausfälle ausgleichen kann, ist schwer zu sagen. Unersetzt scheinen bisher jene Einnahmen geblieben zu sein, die aus dem Effektengeschäft mit Ausländern gesprudelt sind. Nach Einräumung bestimmter Kontingente kommt es nur langsam wieder in Gang. Gut verdient wird im Kreditgewerbe an längerfristigen Finanzierungen. Deshalb müssen Hypothekenbanken und gemischte Institute anders beurteilt werden als reine Geschäftsbanken.

Gelsenberg erlebte im Februar eine ihrer in der Vergangenheit oftmals zu beobachtende Aufwärtsbewegung bis auf 80 Mark. Auch diesmal setzte danach die Nachfrage sofort wieder aus. In Börsenkreisen fragt man sich, ob das RWE nicht hinter diesen gezielten Käufen steckt. Dem RWE fehlen nur noch wenige Prozent bis zur echten Mehrheit. K. W.