Aktuelle Krisenherde – Seite 1

  • Vietnam

Die Vereinigten Staaten haben am Montag den Abzug ihrer restlichen Truppen aus Vietnam vorübergehend eingestellt, um damit die Freilassung der letzten Kriegsgefangenen sicherzustellen. Ein amerikanischer Sprecher in Saigon bezeichnete dies als eine Vorsichtsmaßnahme. 286 amerikanische Gefangene warteten zu diesem Zeitpunkt noch auf Entlassung (299 sind inzwischen heimgekehrt). In Vietnam standen am Wochenanfang noch 6935 US-Soldaten.

Aus Andeutungen Entlassener geht hervor, daß gefangene Amerikaner in vielen Fällen gefoltert oder in Käfige gesperrt wurden. Die Nordvietnamesen zwangen sie damit, Erklärungen über die amerikanische Kriegsschuld zu unterschreiben.

  • Nahost

Nach den Worten des sudanesischen Vizepräsidenten und Innenministers Al Bakir haben die acht Guerillas, die sich nach dem Geiselmord von Khartum am 4, März ergeben hatten, die Verantwortlichkeit der Organisation "Al Fatah" für das Verbrechen zugegeben. Auf einer Kundgebung in Khartum erklärte Al Bakir, die acht Palästinenser sähen ihrem Prozeß "und einem gerechten Urteil" entgegen.

Nach Berichten aus Kairo sind die Regierungen der Dreier-Föderation Ägypten, Libyen und Syrien bemüht, das Leben der inhaftierten Fedajin zu retten. Der halbamtlichen Kairoer Zeitung "Al Ahram" zufolge wollen die drei Länder die Auswirkungen der Geiselmorde eindämmen, damit man sich wieder dem gemeinsamen Feind Israel zuwenden könne. Libyens Staatspräsident Ghaddafi hat beklagt, "daß die Frage der Befreiung Palästinas und der Rückführung seines Volkes nicht länger im Bewußtsein der arabischen Führer" sei.

Bei einem Zusammenstoß im Gaza-Streifen haben die Israelis im Hause eines Arztes drei Palästinenser getötet, darunter den örtlichen Guerilla-Befehlshaben. Zuvor war bei einem Handgranatenanschlag auf einen israelischen Tankwagen ein Soldat ums Leben gekommen. In dem Arzthaus befand sich ein Versteck mit Waffen, Flugblättern und Entwürfen für Drohbriefe.

Aktuelle Krisenherde – Seite 2

  • Nordirland

Ein Bild der Verwüstung wie im Krieg boten Londoner Straßenzüge, nachdem nordirische Extremisten am vorigen Donnerstag in der Umgebung des Gerichtsgebäudes "Old Bailey" und des Landwirtschaftministeriums zwei Bombenanschläge verübt hatten. 244 Londoner, darunter auch Schulkinder, wurden verletzt. Ein Verletzter starb. Zwei andere vorbereitete Anschläge konnten durch die Aufmerksamkeit der Polizei – sie war vom Geheimdienst in Nordirland vorgewarnt – rechtzeitig verhindert werden. Sieben Männer und drei Frauen wurden am selben Tag auf dem Flughafen als Tatverdächtige festgenommen. Sie werden vor Gericht gestellt.

Die Anschläge wurden als Protest gegen das Referendum über die Zukunft Nordirlands gewertet. Dort sprachen sich 57,4 Prozent der Wahlberechtigten für ein Verbleiben der Provinz bei Großbritannien aus. Der katholische Bevölkerungsteil – etwa ein Drittel der Einwohner – hat die Wahl boykottiert. Deshalb betrug die Wahlbeteiligung nur 58,6 Prozent.