Der lange Weg zu einer gemeinsamen europäischen Währungspolitik

Von Rudolf Herlt

Helmut Schmidt war selten so gut gelaunt wie am Montagmorgen um halb drei Uhr in Brüssel. Flankiert von Bundesbank-Präsident Karl Klasen, der in der vergangenen Woche zum erstenmal nach seiner Erkrankung wieder die Strapazen eines Währungsmarathons auf sich genommen hatte, und Vizepräsident Otmar Emminger, meldete der Minister einer Schar von übermüdeten Journalisten einen Erfolg – weitgehend seinen Erfolg. Das scheinbar Unmögliche war möglich geworden. Die Franzosen hatten sich bereit erklärt, mit ihrem für Waren und Dienstleistungen zuständigen „Waren-Franc“ in den Kreis der fünf anderen Gemeinschaftswährungen einzutreten, die gegenüber dem Dollar floaten werden.

Wenn am 19. März die Devisenbörsen wieder aufmachen; sollen die festen Wechselkurse der Mark, der Dänenkrone, des Gulden, des belgischen, luxemburgischen und französischen Waren-Francs durch Interventionen im Verkehr untereinander innerhalb der verengten europäischen Bandbreite von 2,25 Prozent verteidigt werden, während die Verpflichtung der Notenbanken zur Stützung des Dollars ausgesetzt wird. Die Regierungen von England, Irland und Italien sind dem Klub der Floater noch nicht beigetreten (vgl. „Warum Europa warten muß“, Seite 34).

Der Erfolg, mit dem die Dollarflut von Europa ferngehalten werden soll, ist durch eine deutsche Konzession möglich geworden. Die Mark wird vor der Wiedereröffnung der Devisenmärkte um drei Prozent aufgewertet. Das ist ein Satz, den Schmidt der deutschen Exportindustrie angesichts des beginnenden Booms glaubt zumuten zu können. Andererseits soll die kleine Aufwertung verhindern, daß die im Verbund gegenüber dem Dollar floatenden Währungen mit der Mark nach oben gezogen werden.

Das war die Sorge des französischen Wirtschafts- und Finanzministers Valery Giscard d’Estaing. Sein Staatschef Georges Pompidou hatte die Parole ausgegeben, nichts zu unterschreiben, was die französischen Exportinteressen schädigen könnte. Da durch den Kunstgriff einer deutschen Aufwertung diese Gefahr weitgehend gebannt wird, fiel ein französischer Einwand gegen das Floaten einer Gruppe von starken Währungen fort.

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