Bad Zwischenahn

Werden künftig Betonriesen ihre Schatten auch auf die „Perle des Ammerlandes“ werfen? Droht auch am Zwischenahner Meer, dem 526 Hektar großen Binnensee und Erholungsrevier inmitten des oldenburgischen Kerngebietes, ein Ausverkauf der Landschaft zugunsten spektakulärer Wohnbauprojekte oder neuer Kur- und Badeeinrichtungen? Viele Bürger aus Bad Zwischenahn und Umgebung fürchten neuerdings eine „Vermauerung“ des Seeufers, die den Blick auf „dat Määr“ versperren könnte.

Eine Bürgerinitiative – sie hat rund 3000 Einwohner und Freunde des ammerländischen Kurortes mittlerweile bei einer Unterschriftensammlung zu einem eindeutigen Votum gegen Neubauten unmittelbar am Wasser bewegen können – wertet als Alarmzeichen vor allem den von der Gemeindeverwaltung ausgelegten Entwurf eines Bebauungsplans Nr. 26 für den zum Sanierungsgebiet erklärten Zwischenahner Strandpark. Die in der Konzeption näher bezeichneten Maße der baulichen Nutzung zeigten in der Tat Gefahren für die von Spaziergängern und Ausflüglern bevorzugte freie Uferzone an.

Nun hat die planende, von der Gemeinde kontrollierte Kurbetriebsgesellschaft ihre Bauziele am See konkretisiert und erkennen lassen, daß ein neues Hallenbad am Strandpark und ein in den See gebautes, nicht überdachtes Wellenbad verhältnismäßig wenig freien Raum beanspruchen und die Sicht auf die „Perle“ so gut wie gar nicht beeinträchtigen. War es ein Rückzug von einer anfangs absichtlich weit vorgeschobenen Position? Oder konnten die hinter den früheren Aussagen des Bebauungsplans weit zurückbleibenden Details nicht früher bekanntgegeben werden?

Auf alle Fälle will die Bürgerinitiative noch keine „Entwarnung“ geben; sie ist, wie es in ihrer jüngsten Verlautbarung heißt, „gegen jede Bebauung des Zwischenahner Seeufers“.

So weit wird die Konzessionsbereitschaft der Kurbetriebsgesellschaft wohl nicht gehen. Geschäftsführer Karl Benke kann den Kritikern entgegenhalten, daß am Zwischenahner Meer durch Neubauten in begrenztem Umfang die Voraussetzungen für einen Kurbetrieb geschaffen werden, der die Wirtschaft der Gemeinde zweifellos beleben werde. Im übrigen entstünde durch kommunale, von Bund und Land unterstützte Sanierungsmaßnahmen wesentlich mehr Erholungsraum am See als Areal für Bauprojekte aufgegeben werde.

Die Mehrheit der Zwischenahner Ratsherren wird bei der Entscheidung über den vorliegenden Bauplan wahrscheinlich diese Auffassung akzeptieren, hochgeschraubte Forderungen ablehnen und der vorgeschlagenen „kleinen Lösung“ am See zustimmen. Die Bürgerinitiative könnte dann immer noch als Erfolg verbuchen, das Umweltbewußtsein der Bevölkerung gestärkt zu haben. Und wahrscheinlich bewirkt sie auch, daß Gemeinde und Kurbetriebsgesellschaft die Öffentlichkeit bei landschaftsverändernden Vorhaben künftig ohne Zeitverzug und vollständig informieren. Helmut Harms,

Redakteur der Nordwest-Zeitung