Nicht zu Hause blieben sieben Männer und drei Frauen. Sie reisten nach London, um dort auf ihre Weise den Tag der Abstimmung zu begehen – mit Bomben. Das jedenfalls behauptet die Polizei, die nach viertägiger Befragung Anklage gegen diese zehn erhob, die vor ihrem Rückflug nach Belfast und Dublin verhaftet wurden.

Um den über 240 Verletzten der Bombenanschläge zu helfen, brachen die streikenden Krankenhausangestellten ihren Ausstand ab. Unter den zehn Inhaftierten sucht Scotland Yard indessen nicht die Rädelsführer des Attentats. Anlage und Umfang der Aktion waren ohne örtliche Leitung nicht denkbar: Daß die IRA, die selbst blutigere Taten ungerührt für sich in Anspruch nimmt, diesmal die Verantwortung weder offiziell bejahte noch verneinte, hat zu der Vermutung geführt, hier habe eine Splittergruppe auf eigene Faust gehandelt.

Nordirland aber steht die eigentliche Krise noch bevor. Sie muß kommen, wenn in den nächsten zwei Wochen das britische Weißbuch erscheint; das die Zukunft der Provinz festlegt. Darin wird sicher vorgeschlagen, daß die protestantische Mehrheit nicht mehr wie bisher schalten und walten kann. Die Kontrolle der Sicherheitsorgane in Ulster wird in britischen Händen bleiben. Und nach ihrem einmütigen Bekenntnis zu Großbritannien haben die Protestanten dagegen auch kaum noch eine Handhabe. Ihr Sieg dauerte nur einen Tag.