Während sich Ford und Opel, aber auch Audi, VW und selbst Daimler-Benz-darin gefallen, ihre Autos möglichst „ohne Räder“ (Fachjargon für aufbesserungsbedürftige Normalausstattung) feilzubieten und notwendige Dinge als Extras berechnen, kommen die meisten Ausländer mit weitgehend kompletten Autos und nur kleinen Aufpreislisten auf den Markt. Das gilt beispielsweise für das neue Topmodell von Chrysler, für den 2-Liter: Er verfügt serienmäßig sogar über ein vollautomatisches Getriebe.

Außerdem zeichnet er sich gegenüber seinen Artgenossen Chrysler 160 und 180 durch einen neuen 1981-ccm-Motor aus, der 110 PS leistet, in 12,5 Sekunden auf 100 km/st beschleunigt und für 170 km/st Spitze gut ist. Der neue Chrysler rollt auf breiten Gürtelreifen 175 HR 14, ist mit zusätzlichen Fernscheinwerfern, Heiz-Heckscheibe, Vinyldach und (wie bei den Franzosen üblich) mit Dreipunktgurten ausgerüstet. Einem Spitzenmodell sollte man heute allerdings Automatikgurte spendieren, und statt der Modetorheit Vinyldach hätte man besser an Kopfstützen gedacht. Insgesamt aber ist der Preis von 11 198 Mark günstig; ein ähnlich ausgerüsteter Ford Consul 2000 L oder ein Opel Rekord 1900 L mit vier Türen kostet runde 2000 Mark mehr.

Dennoch muß bezweifelt werden, ob der 2-Liter dem etwas fußkranken Flaggschiff des amerikanisch-französischen Konzerns den echten Schwung verleihen wird: Der „große“ Chrysler wirkt im Vergleich zu den gescheit gemachten kleinen Modellen (vor allem zum Simca 1100) etwas langweilig; ein wenig bieder. Er ist ein braves, kommodes Auto, gewiß. – aber weder im Fahrverhalten noch im Aussehen übt diese englische Computerkonstruktion größeren Reiz aus. Von den 86 600 Autos, die Chrysler 1972 auf die bundesdeutschen Straßen brachte, entfallen weniger als 10 000 auf das große Modell. Zum Vergleich: Peugeot (mit insgesamt 59 200 Autos bei uns kleiner als Simca/Chrysler) setzte vom Topmodell 504 über 20 000 ab, Opel gar verkaufte von seinem Senkrechtstarter Rekord II 177 000 Exemplare. St. W.