Von Georg Walther Heyer

Jugend Griechenlands! Es ist keine Übertreibung, wenn ich in diesem Augenblick erkläre, daß ich mit Stolz vor der Nation feststelle, du die beste auf der Welt bist!“ So sprach Griechenlands selbsternannter Führer Papadopoulos im vergangenen September auf der Messe in Saloniki. Solche Flötentöne fehlten in seiner letzten Rede. Zum erstenmal seit dem Putsch vor sechs Jahren steht das Regime der Obristen vor einer ernsthaften Krise: Es hat sich mit der studentischen Jugend entzweit. Die Ende Januar ausgebrochenen Studentenunruhen in Athen konnten bisher weder durch Versprechungen noch durch Drohungen beigelegt werden.

Vorige Woche wurde die Athener Universität geschlossen – angeblich „wegen Karnevals“. Doch diese, Schließung signalisierte allenfalls eine Atempause vor der nächsten Runde. Die erste Runde war nicht an die Regierung gegangen. Sie endete mit einem Boykott der angesetzten Prüfungen an der Technischen Hochschule Athen durch 85 Prozent der Kandidaten – eine ebenso überzeugende wie für das Regime ärgerliche Demonstration. Unter den protestierenden Studenten befanden sich Sohne und Töchter prominenter Vertreter des Regimes.

Das Liebeswerben der Militärs um die Jugend begann sogleich nach dem Putsch vom 21. April 1967, „als sich der Phoenix neuer griechischer Sittlichkeit aus der Asche des demokratischen Chaos und der Korruption erhob“: Die Studiengebühren wurden abgeschafft. Doch die Studentenzahlen stiegen daraufhin keineswegs sprunghaft an, weil der Numerus clausus bestehen blieb. Er war wegen der ungenügenden Kapazitäten an Hochschulen und Universitäten einfach eine Notwendigkeit, nebenbei aber auch ein brauchbares Instrument, um „unerwünschte Elemente“ fernzuhalten. Der Studienbewerber muß sich seitdem nicht nur einer Aufnahmeprüfung unterziehen, ihm wird auch ein Leumundszeugnis über seine politische Einstellung, eine Loyalitätsbescheinigung abverlangt.

Freilich hatte das Regime bei seiner Amtsübernahme auch in der Universitätsstruktur einige Korrekturen vorgenommen: Es setzte zunächst einmal in jeder Hochschule einen Regierungskommissar ein, meist eine bewährte Persönlichkeit mit militärischer Erfahrung. Mit der Autonomie der Hochschule war’s vorbei, aber sicher ist sicher. Und im Interesse eben dieser Sicherheit wurden auch gleich die gewählten Studentenvertreter aus dem Verkehr gezogen und durch andere ersetzt, die das Regime vorsichtshalber selbst ernannte. Denn Ruhe und Ordnung sind nun einmal wichtige Voraussetzungen für ein gedeihliches Studium.

Aber damit war’s noch nicht getan. Das neue Regime wollte seiner Jugend auch neue Ideale eingeben. Weg von langen Haaren und von Miniröcken, hin zum sittlich geläuterten christlichen Griechentum. Der Geist der Tugend und des christlichen Gehorsams weht einem zum Beispiel aus der Königlichen Verordnung Nr. 319 vom 11. Mai 1972 entgegen. Darin wird den Studentinnen der Hochschule für Kindergärtnerinnen folgendes Gelöbnis vorgeschrieben:

„Nachdem wir mit Gottes Hilfe Studentinnen der Hochschule für Kindergärtnerinnen geworden sind, legen wir dieses Versprechen ab: Mit unermüdlichem Fleiß werden wir uns unserem Studium widmen und mit glühendem Eifer uns auf die erzieherische Aufgabe vorbereiten; die christliche und griechische Tradition werden uns dabei als Wegweiser dienen. Wir werden bereitwillig den Gesetzen des Staates gehorchen und die Schulordnung einhalten.“