ZEIT: Herr Minister, Bonn bekommt es zur Zeit aus dem Osten knüppeldick. Moskau läßt kaum noch Rußland-Deutsche ausreisen. Warschau schikaniert Ausreisewillige und drosselt den Auswandererstrom. Ostberlin macht aus dem Grundvertrag, was es will. Das Berlin-Abkommen ist ins Zwielicht geraten. Ist das der Lohn für drei harte innenpolitische Jahre und für außenpolitische Opfer?

Bahr: Ich habe den Eindruck, daß der Moskauer Vertrag schon positive Wirkungen hatte, bevor er ratifiziert war; und nach seiner Ratifizierung entwickelt er solche positiven Wirkungen erst recht. Die Frage der Aussiedlung oder Rücksiedlung von Deutschen hatte mit dem Moskauer Vertrag selbst unmittelbar überhaupt nichts zu tun. Hier haben wir es mit einer – wie wir alle wissen – sehr schwerwiegenden Materie zu tun. Bei der Behandlung dieser Frage hat es manches Auf und Ab gegeben, und dies wird weitergehen, weil es sich um ein Thema handelt, das klinisch sauber überhaupt nicht abzuschließen ist.

ZEIT: Warum hat dann Moskau vor der Bundestagswahl so großzügig und generös die Aussiedlung bewilligt, daß sogar in der deutschen Botschaft in Moskau Notquartiere eingerichtet werden mußten?

Bahr: Wir haben sehr lange drängen müssen, bis wir die Zusage für eine bestimmte Zahl bekamen, und haben weiter gedrängt, bis sie realisiert wurde. Wir sind jetzt in einer neuen Phase, in der wir weitere Fälle aufgreifen werden.

ZEIT: Und wie steht es mit den Rücksiedlern aus Polen?

Bahr: Hier handelt es sich um ein schwieriges Problem, das Gegenstand ständiger Diskussionen zwischen der Bundesregierung und der polnischen Regierung ist, und ich sehe in der Tat bis heute noch kein befriedigendes Ergebnis.

ZEIT: Woran liegt es, daß Berlin immer noch ein Problem ist?