Von Günter Deister

Die Leser der Sportseiten von Tageszeitungen müssen sich verunsichert fühlen. In bestimmten Berichten und Kommentaren ist seit geraumer Zeit nicht mehr nur vom DSB und NOK die Rede, durch die Spalten geistern zunehmend auch Kürzel wie DSH, DOG und BAL, abstrakte Buchstabengebilde, die dem Normalverbraucher nichts sagen. Sie kennzeichnen indessen eine zunehmend komplizierter werdende Organisation des Sports und seiner Interessengruppen. Sie stehen für einen ausgeprägten Sport-Föderalismus. Sie sagen etwas über Machtkämpfe jener Personen aus, die hinter diesen jeweils drei Buchstaben stehen. Und sie beinhalten zugleich das Bemühen in jüngster Zeit, die Kräfte aufeinander abzustimmen und zu bündeln.

Da ist zunächst der Deutsche Sportbund (DSB), die Dachorganisation des Sports der Bundesrepublik, der die Fachverbände, Landessportbünde und Anschlußorganisationen angehören. Normalerweise wäre der DSB die Heimat aller sportlichen Bemühungen, ob sie nun auf Freizeit oder Hochleistung ausgerichtet sind. Folglich müßte auch dem DSB-Präsidenten, seit 1970 der Celler Oberlandesgerichtspräsident Dr. Wilhelm Kregel, die erste Stelle in der Sporthierarchie und damit die Sprecherrolle zustehen.

Da ist das Nationale Olympische Komitee für Deutschland (NOK), dem die Vorsitzenden der olympischen Fachverbände ebenso angehören wie verdiente Persönlichkeiten als persönliche Mitglieder. Bis 1972 machte das NOK immer nur alle vier Jahre auf sich aufmerksam, wenn es galt, die Olympiamannschaft zu nominieren. Sein Präsident ist der Olympia-Manager Willi Daume, bis 1970 in Personalunion auch DSB-Präsident, seither DSB-Ehrenpräsident und 1972 mit der Wahl zum Vize-Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) endgültig in internationaleDimensionen des Sports gewachsen.

Da ist die Deutsche Olympische. Gesellschaft (DOG), einst mit dem „Goldenen Plan“ zur Förderung des Breitensports verdienstvoll an die Öffentlichkeit getreten. Seither führt die DOG mit den Aufgaben, für die Entsendung der Olympiamannschaften Geld zu sammeln und olympisches Gedankengut unters Volk zu bringen, eher ein Mauerblümchendasein. Daran vermochte auch Fritz Dietz, einflußreicher Mann der Wirtschaft, als Präsident der DOG wenig zu ändern.

Da ist die Stiftung Deutsche Sporthilfe (DSH), 1967 als Sozialhilfe des Sports gegründet und seitdem unter der energischen Führung des Frankfurter Olympia-Reiters und Versandhauschefs Josef Neckermann zu einem unübersehbaren Faktor gewachsen. Und da ist schließlich der Bundesausschuß zur Förderung des Leistungssports (BAL), eine Institution des DSB, die nach den Olympischen Spielen 1968 umstrukturiert und seitdem mit wachsendem Erfolg Koordinator und Animator der Anstrengungen im Hochleistungssport wurde.

Bis zu den letzten Olympischen Spielen gab es ein passables Auskommen zwischen den Organisationen, zumal niemand die alles überragende Rolle des DSB in Frage stellte. Die Zäsur entstand nach der Münchner Olympiade. Willi-Daume, von der Last der Mammutorganisation befreit, suchte ein neues Betätigungsfeld im Sport. Die ihm durch Leistung und Ansehen zugewachsene Rolle des unumstrittenen Sportführers konnte er, da der Stuhl des DSB-Präsidenten besetzt war, nicht mehr so ohne weiteres ausspielen. Also versuchte Daume die ihm ganz verbliebene Hausmacht NOK zu stärken und ihr einen Teil der Kompetenz für den Hochleistungssport einzuverleiben. In Josef Neckermann fand der NOK-Präsident einen starken Verbündeten. Ihre Koalition führte schließlich zu einem Zurückweichen der DSB-Führung.