Vor vierzig. Jahren wurden sie von den Astronomen Walter Baade und Fritz Zwicky ersonnen, und sie beschäftigen seither die spekulativen Gemüter unter den Sternkundigen; Die Neutronensterne, nur Dutzende von Kilometern große Gebilde, die gleichwohl die Masse eines normalen Sterns enthalten, so daß ein Fingerhut voll der entarteten Neutronensternmaterie auf der Erde Millionen von Tonnen wiegen würde.

In einer weit gefächerten Zusammenarbeit ist es unlängst gelungen, einen dieser kompakten Winzlinge – die Röntgenquelle Herkules X-I im Sternbild des Herkules – zu wiegen. Das Resultat von sechs Zehnteln der Sonnenmasse entspricht durchaus dem Rahmen, den die Theoretiker zuvor mit ihren Formeln auf Papier abgesteckt hatten. Von weiteren Messungen an anderen Neutronensternen können sich die Wissenschaftler interessante Einblicke in die Altersphase von Sternen erhoffen und ihre Vorstellungen über superdichte Sternmaterie überprüfen.

Die Kenntnis von der Existenz der kleinen Exoten verdanken die Astronomen der Raumfahrt, durch die – zusätzlich zu den etablierten Methoden der optischen und der Radioastronomie – ein weiteres Fenster in den Kosmos eröffnet wurde: die Röntgenastronomie.

Aus dem All auf die Erde treffende Röntgenstrahlen werden von der Atmosphäre verschluckt und können auf der Erde nicht empfangen werden; Raketenflüge in den sechziger Jahren registrierten erstmals die unsichtbaren harten Strahlen, der Röntgen-Boom in der Astronomie wurde jedoch erst durch Forschungssatelliten entfesselt, die auf der Prioritätsliste der NASA freilich weit unten rangierten und erst in den letzten Jahren gestartet wurden. Inzwischen haben die beiden Satelliten SAS (Small Astronomy Satellite) und OSO 7 (Orbiting Solar Observatory) so viele Daten eingeflogen, daß ein Experte den beiden Flugkörpern eine größere Bedeutung für die Astronomie beimißt als etwa dem Riesenspiegel von fünf Metern Durchmesser auf dem Mount Palomar.

Allein der Satellit SAS – später in UHURU umgetauft – hat über hundert Röntgenquellen ausfindig gemacht, darunter auch eine besonders kapriziöse im Sternbild Herkules, die sich denn auch unter der Kurzbezeichnung Her X-I der besonderen Aufmerksamkeit der Astronomen erfreut. Diese Quelle sendet in schnellen Schwankungen von 1,2 Sekunden Dauer, ähnlich wie ein Leuchtturm, Röntgensignale. Alle 43 Stunden wird jedoch das flackernde Röntgenfeuer abgestellt – ein Indiz dafür, daß ein anderer Stern sich vor den Röntgenstern schiebt, dieser also zu einem Verbund aus zwei umeinander kreisenden Sternen gehören muß. Damit ist es jedoch noch nicht genug der Periodizitäten: Nach zehn Tagen verlischt Her X-l völlig und meldet sich erst nach einer dreiwöchigen Pause wieder.

Im vergangenen Jahr gelang es George Clarke und seinen Mitarbeitern vom Massachusetts Institute of Technology, die mit der Auswertung der OSO-7-Daten beschäftigt sind, die erratische Röntgenquelle so präzise zu orten, daß William Liller von der Harvard University seinen Kollegen von der optischen Zunft den Rat geben konnte, sich einen großen blauen Stern namens HZ Herculis einmal genauer anzusehen.

Diese Empfehlung wurde von John Bahcall am Observatorium der Universität Tel Aviv aufgegriffen, der alsbald Schwankungen im Licht von HZ Herculis aufspürte, die nicht nur ebenfalls 43 Stunden dauern, sondern mit den Schwankungen der Röntgenquelle synchronisiert sind. Mit diesen Kenntnissen versehen, konnten Bahcall und Liller sogleich ein Modell entwerfen, das einige Eigenheiten der Pirouette zwischen, dem normalen Stern und seinem überdichten Begleiter beschreibt. Demnach wendet der blaue Normalstern dem Röntgenstern durchgängig dieselbe Seite zu und wird durch die Röntgenstrahlen einseitig aufgeheizt, was sich wegen der Rotation des Sterns wie eine Helligkeitsschwankung zeigt.