Von Stefan Woltereck

Rund ein Viertel aller Motorenkonstrukteure in Europa, in Japan und in den USA haben keine Zeit mehr, sich um Motoren zu kümmern. Sie müssen sich mit dem beschäftigen, was ihre Motoren zum Auspuff hinausblasen: mit Abgas. Mitten in die angespannte Situation platzte die Nachricht von einem neuen Vergaser, der die bisherigen Anstrengungen vielleicht überflüssig werden läßt. Sogenannte „Entgifter“ waren in letzter Zeit häufig „erfunden“ worden – nach eingehender Analyse, so der Chef der Deutschen Vergaser-Gesellschaft (Solex), Professor Pierburg, blieb von den meisten aber kaum etwas technisch Brauchbares übrig. Doch dieses Mal steht hinter der Ankündigung ein ernstzunehmender Name: Siemens.

Im Gegensatz zum herkömmlichen „Vergaser“ wird der Kraftstoff im Siemens-Spaltvergaser echt vergast. Er verdampft nicht, wie dies in einem Idealvergaser möglich wäre, sondern er wird verbrannt. Allerdings mit ganz wenig Luft – und die hochmolekularen (und damit flüssigen) Kohlenwasserstoffe werden dabei in niedermolekulare brennbare Gase aufgespalten, in Wasserstoff, Kohlenmonoxid und vor allem Methan. Diese Gase bilden eine vorzügliche Speise für den Motor.

Freilich ist der Aufwand für diese Gasfabrik recht hoch: Benzin kommt über ein Regelventil in eine Reaktionskammer, die mit einem Katalysator gefüllt ist. Er ermöglicht das „Verbrennen“ mit ganz wenig Luft – dennoch herrschen in der Kammer Temperaturen bis zu 800° C. Die erhaltenen Gase werden gekühlt und über einen Mischer dem Motor zugeführt – hier kommt die zur Verbrennung nötige Luft hinzu. Eine geringe Luftzufuhr erfordert auch der Vergaser selbst für seine Verbrennung. Als besonderen Trick füttert man den Spaltvergaser dazu noch mit Abgas – beim Aufspalten der langen Kohlenwasserstoffketten lassen sich sauerstoffhaltige Komponenten aus dem Auspuffgas zu brennfähigen Gasen reduzieren, sie können also erneut an der Verbrennung im Motor teilnehmen.

Mit dem produzierten Spaltgas läßt sich der Motor mit Luftüberschuß betreiben. Er gewährleistet nicht nur eine weitgehend vollständige Verbrennung, also kaum CO und HC im Auspuffgas, sondern auch einen sehr starken Rückgang der Stickoxide. Siemens spricht in seinem Forschungs- und Entwicklungsbericht von einem Rückgang der CO-Emission um etwa 94 und der NOX-Werte um etwa 97 Prozent – Werte, die allen für Auspuffgas Verantwortlichen wie Musik in den Ohren klingen müssen!

Die weiteren Vorteile des Spaltvergasers hören sich gegenüber diesen Abgaswerten schon fast nebensächlich an:

  • gute Kaltstarteigenschaften mit sehr viel weniger schädlichen Emissionen (und geringerem Verbrauch)
  • keine Schmierölverdünnung durch Benzin beim Kaltstart, kein Kaltstartverschleiß;
  • saubere Verbrennung im Motor, keine Rückstände, dadurch geringere Belastung des Öls, weniger häufige Ölwechsel;
  • die erzeugten Gase haben eine Oktanzahl von über 100 – auch bei minderwertigem, unverbleitem Benzin.